Magazin

Haltern am See (Preview)

Odyssee am Silbersee

von Vlado Velkov

Wasser ist der Inbegriff des Lebens, damit haben Wasser und Kultur bereits vieles gemeinsam. Auch in diesem Projekt, welches sie mit Natur und Freizeit verbindet, gehören sie zusammen: Der Ausstellungsteil am Silbersee findet im Wasser, am Wasser, auf dem Wasser und unter Wasser statt. Alle Kunstwerke werden für das Wasser konzipiert und die Besucher*innen sind eingeladen, von Werk zu Werk zu schwimmen. Das Arbeiten im und am See ist eine große Herausforderung für alle Teilnehmer*innen. Im Wasser fehlen Grundelemente wie Wände, Decke und Boden. Auch auf das Wasser selbst kann man sich nicht verlassen, da der Wasserspiegel variiert. Diese Unsicherheit fordert, dass die Künstler*innen ihre Methoden und Techniken überdenken und für das Projekt ausschließlich neue Werke produzieren. Ein Kunstprojekt am Wasser ist immer ein gemeinschaftliches Werk: Wetter und Unwetter, Sonne, Wind und Wellen, Enten und Fische, alle machen mit. Im Unterschied zum White Cube isoliert der See die Außenwelt nicht, sondern nimmt alles auf: Tagsüber verändert er sich mit dem Lauf der Sonne, nachts reflektiert er den Mond und dupliziert den Himmel und die Sterne.

Kunst und Wasser bieten ein demokratisches Erlebnis. Der soziale Status der Besucher*innen ist nicht zu erkennen. Es ist kein exklusives, sondern ein inklusives Ereignis: Die Badegäste sind ein wichtiger Teil der Ausstellung und ergänzen die Handlung mit ihren Aktivitäten. Die Dynamik der Natur und die Spontaneität der Besucher*innen öffnen die Situation für weitere Entwicklungen jenseits des künstlerischen Vorhabens.

Die Geschichte des Silbersees ist wechselvoll und von Menschen gemacht. An der Stelle des heutigen Badeparadieses stand vor 100 Jahren ein Kriegsgefangenenlager und viele der Gefangenen kamen aus dem Feuergefecht der Skagerrakschlacht – die größte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges. Kapitäne und Seemänner waren vielleicht die ersten, die hier von einem See träumten. Im großen Kriegsgefangenenlager gab es damals ein Theater mit 600 Sitzplätzen, in dem u.a. Artisten aus Paris und Glasgow aufgetreten sind. Das war der Anfang des kulturellen Lebens am Silbersee. Nach dem Krieg wurde das Kriegsgefangenenlager abgerissen und das Feld wieder mit Bäumen bepflanzt. Danach kam die Industrie, die das Quarzsandvorkommen der Region für sich entdeckte. Die Bäume wurden wieder abgeholzt und im Laufe der Baggerarbeiten entstanden bis heute drei Silberseen, ein vierter See wird eventuell in Zukunft noch hinzukommen. Der Sand wird heute bis nach Asien exportiert und scheint der wahre Schatz vom Silbersee zu sein. Es ist bemerkenswert, wie ein so einladender Badesee wie der Silbersee II den methodischen Naturabbau und die radikale Landschaftsveränderung überstrahlt. Nach dem Verhaltensmodell Homo ludens – der spielende Mensch – entwickeln Menschen ihre individuellen Erfahrungen und Fähigkeiten über das Spiel. Unsere Spielzeit am Silbersee wird eine wahre Odyssee, in der nicht die olympischen Götter die Regie übernehmen, sondern die Natur.

Netzstadt Ruhr: Das Ruhrgebiet als Rhizom

Städte können gelesen werden. Michael Buto beschreibt in La Ville comme texte die Stadt als einen doppelten Text.

Von Schlaglöchern und Zwischenräumen: Wenn die Kunst ins Leben geht

Vor Kurzem war es wieder so weit: Eine weiß gestrichene Schindelfassade im Stil des US-amerikanischen Vorstadt-Einfamilienhauses rollte durch die Straßen Detroits.

Der Raum zwischen uns

Ist der Raum, der als öffentlich bezeichnet wird, wirklich öffentlich? War er das jemals?