Zum Hauptinhalt springen (Enter drücken)Zum Fußbereich springen (Enter drücken)

Breadcrumbs

  1. Home
  2. News
  3. 2026

The Troubadour von Ari Benjamin Meyers in Koproduktion mit der Manifesta 16 Ruhr
3.7.2026

The Troubadour von Ari Benjamin Meyers ist eine einmonatige Dauer-Performance, die vom 10. August bis 10. September an verschiedenen Orten im Ruhrgebiet stattfindet. Zusätzlich gibt es im Rahmen der Veranstaltung Electronic Shifts von Urbane Künste Ruhr am 19. September in der Ev. Stadtkirche Sankt Petri in Dortmund einen Epilog.

Das Projekt The Troubadour ist eine Koproduktion von Urbane Künste Ruhr und der Manifesta 16 Ruhr. Es ist Teil der Ausstellung Unheimliche Verschiebungen (22. August – 4. Oktober 2026), die Urbane Künste Ruhr zur diesjährigen Ruhrtriennale zeigt.

Der Troubadour, performt von der romni-britischen Singer-Songwriterin und Schauspielerin Riah Knight, wird einen Monat lang durch das Ruhrgebiet reisen – von Bochum nach Dortmund, von Duisburg nach Essen. Begleitet von ihrem Assistenten, the Juggler, wird die Troubadour-Figur Menschen begegnen, Geschichten austauschen, umherwandern und sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurechtfinden, während sie nach Orten zum Verweilen sucht. 

Unterwegs wird Riah Knight eigene Songs schreiben und spielen – in Konzertsälen und Clubs ebenso wie auf Marktplätzen und in Parks – und die Musik, die Ari Benjamin Meyers vorab für das Projekt komponiert hat, mit neuem Material kombinieren. 

Inspiriert von den umherziehenden Balladensänger*innen des Mittelalters, ist dieses einmonatige Projekt sowohl eine Langzeitperformance als auch ein soziales Experiment. Gespräche, Gastfreundschaft und gemeinsame Erlebnisse lassen ein sich ständig erweiterndes Repertoire an Liedern, Texten und Geschichten entstehen. Was an einem Ort gehört, erlebt und ausgetauscht wird, wird an den nächsten Ort weitergetragen. Wie wird diese vermeintlich „Unbekannte Reisende“ in jeder Stadt, die sie besucht, behandelt werden? Welche Art von Musik wird ihre Reise durch die Region hervorbringen?

The Troubadour von Ari Benjamin Meyers ist eine Koproduktion von Urbane Künste Ruhr und der Manifesta 16 Ruhr im Rahmen der Ausstellung Unheimliche Verschiebungen. Unheimliche Verschiebungen ist eine Ausstellung von Urbane Künste Ruhr zur Ruhrtriennale 2026

Save the Dates:
The Troubadour’s Welcome
Datum: Mittwoch, 12.8.2026
Zeit: 19-21 Uhr
Treffpunkt: Hans-Schalla-Platz am Schauspielhaus Bochum, 44789 Bochum
Veranstalter*in: Manifesta 16 Ruhr

Meet the Troubadour
Datum: Sonntag, 23.8.2026
Zeit: 16:30-18:30 Uhr
Treffpunkt: Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstr. 50-58, 44147 Dortmund
Veranstalter*in: Urbane Künste Ruhr 

The Troubadour’s Farewell
Datum: Donnerstag, 10.9.2026
Zeit: 19-21 Uhr
Treffpunkt: Christ-König-Kirche, Steinring 32, 44789 Bochum
Veranstalter*in: Manifesta 16 Ruhr

Troubadour, The Epilogue
Datum: Samstag, 19.9.2026
Zeit: 19-21 Uhr
Treffpunkt: Ev. Stadtkirche Sankt Petri, Westenhellweg/ Petrikirchhof 1, 44137 Dortmund, im Rahmen der DEW21 Museumsnacht
Veranstalter*in: Urbane Künste Ruhr und Ev. Stadtkirche Sankt Petri

Performance The Troubadour: Riah Knight
Assistenz / The Juggler: Christian Löffel
Kuratiert von Britta Peters (Urbane Künste Ruhr) gemeinsam mit Michael Kurtz (Manifesta 16 Ruhr) 

Worte an den Ohren, an der Haut, an der Zelle

Havîn Al-Sîndy

© Amina Falah

© Amina Falah

© Amina Falah

© Amina Falah

Auf dem Dortmunder Nordmarkt setzten sich zwei Skulpturen aus silikonartiger Textur und rätselhafter Silhouette das erste Mal in Bewegung – aufrecht, körperhaft und mit Mikrofonen versehen. Die über Sensoren gesteuerten Roboter haben mittels KI eines gelernt: das Lästern. Auch in Zukunft sollen Besucher*innen sich um sie versammeln, ihnen zuhören oder etwas zuflüstern können. So wird eine beiläufige, neugierige Öffentlichkeit allmählich in Gespräche verwickelt, die sie nicht vollständig kontrollieren kann. 

Die Roboter hat die Künstlerin Havîn Al-Sîndy in Kooperation mit Schüler*innen der Dortmunder Anne-Frank-Gesamtschule entwickelt. So ist Worte an den Ohren, an der Haut, an der Zelle Output eines Gestaltungsprozesses mit Jugendlichen, die ihre Stimmen, ihren Gossip, ihr Flüstern als Codes der Maschine geliehen haben. Zur Installation gehören auch eine sich durch Bewegung verändernde Bodenzeichnung und ein Film, der zwei aus Gips geformte Vögel in der Natur zeigt. 

Al-Sîndys Praxis kreist um immaterielle Archive – Erinnerungen, Körperwissen, kollektive Gedächtnisse – als fragile, widersprüchliche, doch wirkmächtige Formen von Wissen, und die Frage, wie sie weitergegeben, überschrieben oder verdrängt werden. Das Lästern ist dabei weit mehr als Klatsch: Es ist eine der ältesten Formen der informellen Sprachübertragung, eine des Widerstands für jene, denen offizielle Sprache verwehrt bleibt, eine Form der Oral History, die auf Marktplätzen und Hinterhöfen überlebt. Aber es ist auch ein Instrument der Mächtigen und der Manipulation: Sogar Amtsträger*innen verspotten heute öffentlich, das politische Gebaren scheint irrationaler zu werden. 

Die Frage, die Al-Sîndys Skulpturen stellen, ist also keine technische, sondern eine politische: Was geht verloren, wenn Sprache übersetzt, archiviert, codiert und automatisiert wird – und wessen Sprache war es überhaupt? 

Künstler*in

Open Artsit

Havîn Al-Sîndy

Havîn Al-Sîndy arbeitet in Kurdistan und Deutschland. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich im Spannungsfeld von Performance, Skulptur, Malerei und bewegten Bildern. 

mehr