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Zu Gast

Das Programm Zu Gast bei Urbane Künste Ruhr richtet sich an Künstler*innen, die an einer zeitgenössischen Perspektive auf das Ruhrgebiet und seine Themen interessiert sind und wird seit 2019 in Kooperation mit lokalen Partner*innen realisiert.

Für das Jahr 2026 vergibt Urbane Künste Ruhr gemeinsam mit der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets drei dreimonatige Recherche-Aufenthalte im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets in Bochum.  Durch die Anbindung an die Stiftung und einen Arbeitsplatz im Haus der Geschichte mit Zugang zu Bibliothek und Archiv wird eine intensive Auseinandersetzung mit der Region ermöglicht. Während der Recherchephase laden wir dazu ein, im Austausch mit dem kuratorischen Team vor Ort eine Projektidee zu entwickeln, die – je nach Eignung – 2027 Teil einer mehrtägigen Veranstaltung in Duisburg werden soll.  

Open "Zu Gast Jahrgang 2026"

© Daniel Sadrowski

Zu Gast Jahrgang 2026

Zu Gast

Urbane Künste Ruhr vergibt gemeinsam mit der Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets für das Jahr 2026 drei dreimonatige Recherche-Aufenthalte im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets in Bochum.

Dortmund

Begleitet wird die Grand Snail Tour von Künstler*innen aus dem Bereich Literatur, Fotografie und Illustration, die zeitgleich zum Aufenthalt des Tourmobils, Eindrücke und Reflexionen aus jeweils derselben Stadt sammeln und diese sie visuell oder literarisch ins Bild setzen. So entsteht ein Paratext zur 3-jährigen Tour, der in Form einer Reisechronik, ein Kaleidoskop an Geschichten, Verbindungen, Momentaufnahmen in den 53 Städten der Region als Gleichzeitigkeiten und Ungleichzeitigkeiten zur Grand Snail Tour sichtbar werden lässt.

Dortmund von Stefan Marx

Dortmund von Tunay Önder

Dortmund, hier kenne ich mich aus, höre ich mich sagen. Aber eigentlich kenne ich nur die Nordstadt. Ich finde, damit ist das Wesentliche abgesteckt.  
Es ist spät, als ich ankomme. Mein Weg führt mich direkt in die Münsterstraße zum Malak Grill, ich brauche einen Schwarztee Außerdem gibt es hier köstliche Kibbeh.  

Zuletzt saß ich hier vor fünf Jahren damals mit Imad und Tuğba. Das Favoriten Festival wollte, dass wir Unruhe stiften, also gab es über mehrere Tage ein Happening im Dietrich-Keuning-Haus. Wir nannten es Maşallah Dortmund und riefen die Stadtgesellschaft zur Kanakisierung auf. Es war eine Oase inmitten der Strapazen in Almanya.  

Dortmund hat damals deutliche Spuren in mir hinterlassen. Im Gegenzug haben auch wir unsere Spuren in der Stadt hinterlassen, darunter ein riesengroßer, handgefertigter, runder Holztisch, der mittlerweile als Versammlungsort für die Dortmunder Pentagon-Gespräche dient – eine Wertschätzung der ganz besonderen Art, wie ich finde.  

Bei der Grand Snail Tour in Dortmund werde ich Zeugin, wie die Staffelübergabe eine besondere Wendung annimmt. Zum Großaufgebot der Urbanen Künste Ruhr auf dem Nordmarkt gehört auch ein Pentagon-Gespräch zum Thema Gastarbeiter*innen-Denkmal, das die Stadt gerade auf den Weg bringt – und mit dabei der sagenumwobene Tisch, der genau dort gelandet ist, wo er hingehört: unter die Menschen, in den öffentlichen Raum.  

Am Nordmarkt treffe ich auf bekannte und unbekannte Menschen, die mir allesamt familiär vorkommen, weiß nicht warum vielleicht weil wir ähnliche Erfahrungswelten, Lebenslagen und Struggles teilen. Sprachen überlagern sich, die ich nur zum Teil verstehe. Das tut gut. Hier kann ich entspannen, muss nicht alles verstehen und kann einfach sein.  

Für einige Tage überlagern sich mehrere magische Dreiecke an diesem Ort. Der Bühnenanhänger, die mobile Infobox, der Kiosk of Solidarity – und dazwischen fliegende Pralinenschachteln, Teezeremonien, KI-gesteuerte Skulpturen, Chorgesänge, DJ-Sets, Lesungen, Debatten, Tänze und Talks – und irgendwann formiert sich die Versammlung zu einer Art Hochzeitsgesellschaft. Ein Bild brennt sich besonders in mein Gehirn: Unzählige Kinder aus der Mahalle auf weißen Gartenstühlen applaudieren, tosen, lachen, schreien und beteiligen sich ungefragt an allen Performances. Eine Kollegin fragt mich, ob es eigentlich etwas Vergleichbares in München gibt.  

Manchmal muss man die Stadt, in der man lebt verlassen, um anzukommen. So geht es mir, wenn ich ins Ruhrgebiet fahre. Weg von zu Hause und viel eher daheim. Und immer wieder die Frage, wie die Nordstadt es schafft, trotz aller Repressionen eine pulsierende, postmigrantische Lebensrealität zu etablieren. Keine Kohle, aber Leben auf den Straßen. Ein paar Schritte weiter, um die Stadt, in der man lebt Plakate an mehreren Hofeingängen. „Kein Vergessen, kein Vergeben, Mouhamed Lamine Dramé“ / „Von der Polizei ermordet. Am 8.8.2022“ / „Wie viele noch?“  

Es war sicher auch kein Zufall, dass der Nationalsozialistische Untergrund genau hier wütete und Mehmet Kubaşık in seinem Kiosk in der Mallinckrodtstraße ermordete. Es tröstet mich zu sehen, dass der Mehmet-Kubaşık-Platz ein lebendiger Ort geworden ist, an dem Menschen gerne abhängen und Sonnenblumenkerne essen. Es weht ein widerspenstiger Wind an diesem Platz. 

Dortmund von Cihan Çakmak

Die in Dortmund entstandenen Fotografien vereinen Menschen, im Selbstportrait, die entweder selbst oder in transgenerationaler Folge Krieg, Vertreibung und Identitäts-Blockaden erlitten haben. Die Posen der Protagonisten vereinen Trauer und Widerstand.

Stops

Open "Dortmund"
3.7.25, 15:30 – 5.7.25, 22 Uhr

Wertschätzen in Dortmund

Dortmund

Künstler*innen

Open Artsit

Stefan Marx

Stefan Marx ist Künstler und Zeichner. Er entwickelt Designs für verschiedene Unternehmen, gestaltet das Artwork von Plattencovern und Fanzines, hat aber auch schon ein Dekor für die Königliche Porzellanmanufaktur entwickelt. 

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xxx

© Anton Kaun

Tunay Önder

Tunay Önder arbeitet an der Schnittstelle Text, Performance, Installation und Diskurs. Sie interessiert sich vor allem für emanzipatorische Kämpfe im Kontext der Migrationsgesellschaft. 

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Open Artsit

Cihan Çakmak

Cihan Çakmak wurde 1993 in Niedersachsen geboren und wuchs in Worpswede und Bremen auf. 

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