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Emscherkunstweg

Jahr
2024
Verlag
Hatje Cantz
ISBN
978-3-7757-5569-6
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Der Emscherkunstweg umfasst aktuell 24 Kunstwerke im öffentlichen Raum entlang des Flusses Emscher mitten im Ruhrgebiet.

Einst dreckigster Fluss Europas, wurde die Emscher in den letzten Jahrzehnten vom offenen Abwasserkanal zum sauberen Gewässer umgebaut. Zwischen 2010 und 2016 begleiteten drei Emscherkunst-Ausstellungen diesen ökologischen Kraftakt. Die daraus hervorgegangen permanenten Kunstwerke bilden seit 2019 den Ausgangspunkt für die Erweiterung zum Emscherkunstweg. Dieser Band bietet erstmals einen Überblick aller Arbeiten des Emscherkunstwegs, insbesondere der neuen Werke von Julius von Bismarck/Marta Dyachenko, David Jablonowski, Markus Jeschaunig, Sofía Táboas und Nicole Wermers. Darüber hinaus widmet er sich Fragen zur Erhaltung und dem Potenzial von Kunst im öffentlichen Raum ebenso wie ihrem Verhältnis zur Industriekultur. Das Buch ist idealer Reisebegleiter und Nachschlagewerk für die Entdeckung der Kunst auf über 100 Kilometern Radweg.

Choir of Missed Connections

Aram Bartholl

Ein älterer Mann betrachtet eine futuristische Lampe mit integrierten Überwachungskameras.

© Daniel Sadrowski

© Daniel Sadrowski

Wir stehen unter einem Kronleuchter, der statt Kerzen fünf 360°-Kameras in Glühbirnenform trägt. Diese suchen pausenlos nach einer Internetverbindung, aus der Audioschleife von Verbindungsaufbau und Reset – „Entering peering mode“ und „Power on!" – wird ein Chor aus Fehlermeldungen, der uns im Grand Snail Tour Trailer umgibt.

Aram Bartholl – Medienkünstler, Aktivist und Professor – stellt seit Dekaden unser Medienverhalten und die Ökonomien sozialer Netzwerke zur Diskussion. Im heutigen Internet sieht er die zentralen Probleme im Rückzug in private und kommerzielle Nutzung, in Überwachung, Manipulation und den endlosen Datenfluten. Dabei ist Kontrolle durch Licht kein neues Phänomen: Straßenbeleuchtung dienten nicht zuletzt dazu, Sichtbarkeit im öffentlichen Raum herzustellen, um längere Arbeitszeiten zu ermöglichen, Bewegungen zu erfassen, Menschen zu kontrollieren. Geprägt von seiner Nähe zum Chaos Computer Club, überführt Bartholl Lücken und Absurditäten des digitalen Alltags in Objekte und Interventionen. Mit Dead Drops (seit 2010) zementierte er USB-Sticks in Mauerwerke – Speicher für einen anonyme Datenaustausch ohne Cloud, ohne Algorithmus, ohne Konzern. Für Skulptur Projekte Münster entwickelte Bartholl 2017 thermoelektrische Installationen an historischen Orten der Stadt, die das Feuer als ursprüngliches Kommunikationsmedium in Energie umwandelten: Ein ofenbeheizter Offline-Router am Fernmeldeturm, lagerfeuergespeiste Ladestationen für Mobiltelefone am Pumpenhaus – und einen Kronleuchter aus teelichtbetriebenen LED-Lampen in der Schlossunterführung. 

Choir of Missed Connections zieht nun als Soundskulptur durch abgelegene Kleinstädte, sucht Verbindungen – und wird im kommunikativen Sinne vielleicht auf unerwartete Weise fündig.

Künstler*in

Open Artsit

©Friso Gentsch

Aram Bartholl

 Aram Bartholl untersucht in seinen skulpturalen Arbeiten und Workshops digitale Medien, Überwachung und Plattformkapitalismus im öffentlichen Raum.

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