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Urbane Künste Ruhr 2018-2023
Zwischen einer verklärten Vergangenheit und einer noch nicht eingelösten Zukunft

Editor

Britta Peters, Alisha Raissa Danscher, June Drevet, Kerstin Finkel

Texts

Etel Adnan, Beatriz Colomina, Daniel Talesnik, Ellen Wagner, Angharad Williams, Serhij Zadan e.a.

Designer

Lamm & Kirch

Jahr
2024
Verlag
BOM DIA BOA TARDE BOA NOITE
ISBN
978-3-96436-080-9
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Von 2018-2023 erschienen neun gedruckte Ausgaben des Urbane Künste Ruhr Magazins. Die Zeitschrift dokumentierte die Projekte der Institution, insbesondere das Ausstellungsformat Ruhr Ding, und reflektierte sie in begleitenden Texten.

Von Anfang an wurden von jeder Auflage des Magazins 500 Exemplare für eine spätere Verwendung beiseitegelegt. Die einzelnen Ausgaben vereint nun ein 670 Seiten starker Katalog. Erweitert wurde er zusätzlich um einen Index der Personen und Orte sowie um ein Editorial der Künstlerischen Leiterin Britta Peters. Beim Blättern können immer neue Projekte entdeckt werden, der Index ermöglicht eine spielerische, rückblickende Diskursanalyse.

In wissenschaftlichen, essayistischen und popkulturellen Beiträgen zahlreicher Autor*innen und Künstler*innen setzt sich die Publikation „zwischen einer verklärten Vergangenheit und einer noch nicht eingelösten Zukunft“ mit den Besonderheiten des Ruhrgebiets und dem Verhältnis zwischen Kunst und Öffentlichkeit auseinander. 

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    Montage im Ruhrgebiet

    Editorial

    Der Autor Wolfgang Welsch führt in seinem Buch Unsere postmoderne Moderne (1987) eine anschauliche Anekdote zum Verständnis des Begriffs der Postmoderne an: Er stellt seinen Leser*innen eine Person vor, die durch München streift. Dabei fällt ihr Blick auf einen Werbetext, der im Vorfeld der Olympiade 1972 flächendeckend in der Stadt plakatiert worden war.

    © Henning Rogge

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    Der sichtbare Horizont

    Essay

    Das zweite Buch der Metamorphosen des römischen Dichters Ovid beginnt mit einer Geschichte, die sich als Klimametapher interpretieren lässt. Phaeton, der hitzköpfige Sohn des Sonnengottes Phoebus, lebt mit seiner sterblichen Mutter auf der Erde und hadert damit, nicht als rechtmäßiger Sohn des Gottes anerkannt zu werden.

    © Heinrich Holtgreve

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    Das 24/7-Bett

    Essay

    Mit diesen perfekt abgeschirmten Minuten endete ihre Privatsphäre: Unmittelbar danach luden sie die Weltöffentlichkeit in ihr Flitterwochenbett in Zimmer 902 des Amsterdam Hilton International Hotel ein und hielten zwischen dem 25. und 31. März täglich von 9 bis 21 Uhr ein einwöchiges Bed-in for Peace ab. Zwei der berühmtesten Menschen der Welt setzten sich im Glaskubus des Hilton regelrecht auf den Präsentierteller. Und ihr Arbeitstag war um 21 Uhr nicht zu Ende. John und Yoko verkündeten wiederholt, in dieser Woche ein Kind zeugen zu wollen. Das Bett ist sowohl Ort des Protests als auch Kinderproduktionsfabrik: eine fucktory.

    © Henning Rogge

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    Hohlraum, Hologramm, Holzwickede, Homeoffice

    Essay

    Das Herzstück des vorliegenden Buches sind die Magazine #1 – #9 von Urbane Künste Ruhr, entstanden in den Jahren 2018 bis 2023. Um die vergangenen Jahre zusammenzufassen, aber gleichzeitig auch die Prozesshaftigkeit einer künstlerischen Programmierung im öffentlichen Raum mitabzubilden, entschieden wir uns – statt eine neue Publikation zu konzipieren – eine Navigationsstruktur für die bereits existierenden Inhalte zu schaffen.

    © Heinrich Holtgreve

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Choir of Missed Connections

Aram Bartholl

Ein älterer Mann betrachtet eine futuristische Lampe mit integrierten Überwachungskameras.

© Daniel Sadrowski

© Daniel Sadrowski

Wir stehen unter einem Kronleuchter, der statt Kerzen fünf 360°-Kameras in Glühbirnenform trägt. Diese suchen pausenlos nach einer Internetverbindung, aus der Audioschleife von Verbindungsaufbau und Reset – „Entering peering mode“ und „Power on!" – wird ein Chor aus Fehlermeldungen, der uns im Grand Snail Tour Trailer umgibt.

Aram Bartholl – Medienkünstler, Aktivist und Professor – stellt seit Dekaden unser Medienverhalten und die Ökonomien sozialer Netzwerke zur Diskussion. Im heutigen Internet sieht er die zentralen Probleme im Rückzug in private und kommerzielle Nutzung, in Überwachung, Manipulation und den endlosen Datenfluten. Dabei ist Kontrolle durch Licht kein neues Phänomen: Straßenbeleuchtung dienten nicht zuletzt dazu, Sichtbarkeit im öffentlichen Raum herzustellen, um längere Arbeitszeiten zu ermöglichen, Bewegungen zu erfassen, Menschen zu kontrollieren. Geprägt von seiner Nähe zum Chaos Computer Club, überführt Bartholl Lücken und Absurditäten des digitalen Alltags in Objekte und Interventionen. Mit Dead Drops (seit 2010) zementierte er USB-Sticks in Mauerwerke – Speicher für einen anonyme Datenaustausch ohne Cloud, ohne Algorithmus, ohne Konzern. Für Skulptur Projekte Münster entwickelte Bartholl 2017 thermoelektrische Installationen an historischen Orten der Stadt, die das Feuer als ursprüngliches Kommunikationsmedium in Energie umwandelten: Ein ofenbeheizter Offline-Router am Fernmeldeturm, lagerfeuergespeiste Ladestationen für Mobiltelefone am Pumpenhaus – und einen Kronleuchter aus teelichtbetriebenen LED-Lampen in der Schlossunterführung. 

Choir of Missed Connections zieht nun als Soundskulptur durch abgelegene Kleinstädte, sucht Verbindungen – und wird im kommunikativen Sinne vielleicht auf unerwartete Weise fündig.

Künstler*in

Open Artsit

©Friso Gentsch

Aram Bartholl

 Aram Bartholl untersucht in seinen skulpturalen Arbeiten und Workshops digitale Medien, Überwachung und Plattformkapitalismus im öffentlichen Raum.

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