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Marta Dyachenko

© Frederike Wetzels

Marta Dyachenko (*1990 in Kyjiw, Ukraine) studierte Architektur und Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin und lebt in Berlin. In ihren Arbeiten kombiniert die Künstlerin Elemente von Landschaften aus Kindheitserinnerungen mit Fragmenten moderner infrastruktureller Umgebungen. Marta Dyachenkos Objekte schaffen so neue fiktive Landschaften, die zwei gegensätzliche Zustände miteinander verbinden - neue Gebäude im Entstehungsprozess und Ruinen. Dabei untersucht Marta Dyachenko, wie sich der Mensch zur Natur verhält, und fragt, wie unser Blick auf die Landschaft durch politische, kulturelle und religiöse Entwicklungen geprägt ist.

Die Künstlerin präsentierte ihre Arbeiten unter anderem in der Kunsthalle Recklinghausen (2024), in der Galerie Klosterfelde (2024) oder im Kunsthaus Dahlem (2022) in Berlin. Gemeinsam mit Julius von Bismarck realisierte Marta Dyachenko die Installation Neustadt (2021) für den permanenten Skulpturenpfad Emscherkunstweg in Duisburg.

Worte an den Ohren, an der Haut, an der Zelle

Havîn Al-Sîndy

© Amina Falah

© Amina Falah

© Amina Falah

© Amina Falah

Auf dem Dortmunder Nordmarkt setzten sich zwei Skulpturen aus silikonartiger Textur und rätselhafter Silhouette das erste Mal in Bewegung – aufrecht, körperhaft und mit Mikrofonen versehen. Die über Sensoren gesteuerten Roboter haben mittels KI eines gelernt: das Lästern. Auch in Zukunft sollen Besucher*innen sich um sie versammeln, ihnen zuhören oder etwas zuflüstern können. So wird eine beiläufige, neugierige Öffentlichkeit allmählich in Gespräche verwickelt, die sie nicht vollständig kontrollieren kann. 

Die Roboter hat die Künstlerin Havîn Al-Sîndy in Kooperation mit Schüler*innen der Dortmunder Anne-Frank-Gesamtschule entwickelt. So ist Worte an den Ohren, an der Haut, an der Zelle Output eines Gestaltungsprozesses mit Jugendlichen, die ihre Stimmen, ihren Gossip, ihr Flüstern als Codes der Maschine geliehen haben. Zur Installation gehören auch eine sich durch Bewegung verändernde Bodenzeichnung und ein Film, der zwei aus Gips geformte Vögel in der Natur zeigt. 

Al-Sîndys Praxis kreist um immaterielle Archive – Erinnerungen, Körperwissen, kollektive Gedächtnisse – als fragile, widersprüchliche, doch wirkmächtige Formen von Wissen, und die Frage, wie sie weitergegeben, überschrieben oder verdrängt werden. Das Lästern ist dabei weit mehr als Klatsch: Es ist eine der ältesten Formen der informellen Sprachübertragung, eine des Widerstands für jene, denen offizielle Sprache verwehrt bleibt, eine Form der Oral History, die auf Marktplätzen und Hinterhöfen überlebt. Aber es ist auch ein Instrument der Mächtigen und der Manipulation: Sogar Amtsträger*innen verspotten heute öffentlich, das politische Gebaren scheint irrationaler zu werden. 

Die Frage, die Al-Sîndys Skulpturen stellen, ist also keine technische, sondern eine politische: Was geht verloren, wenn Sprache übersetzt, archiviert, codiert und automatisiert wird – und wessen Sprache war es überhaupt? 

Künstler*in

Open Artsit

Havîn Al-Sîndy

Havîn Al-Sîndy arbeitet in Kurdistan und Deutschland. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich im Spannungsfeld von Performance, Skulptur, Malerei und bewegten Bildern. 

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