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Julia Schäfer

© Jan Hottmann

Julia Schäfer erforscht in ihren Videoarbeiten und ortsspezifischen Installationen Narrative des Verlusts, indem sie die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion aufhebt. Ausgehend von der Metzgerei ihrer Familie betrachtet sie Fleischproduktion als Metapher für die Wechselwirkungen von Lust und Schmerz, Gewalt und Ernährung.

Ihre Arbeiten waren zuletzt bei Non-Étoile, Paris (2026), Supergau Festival, Salzburg (2025), Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest (2025) sowie im EIGEN+ART Lab, Berlin (2020) zu sehen. Sie erhielt Stipendien der Stiftung Kunstfonds, der Akademie der Künste Berlin, des Landes Baden-Württemberg und war 2024 Artist-in-Residence an der Cité Internationale des Arts. Ihr Buch SOLID OBJECTS erschien Anfang 2026. 

Für Zu Gast bei Urbane Künste Ruhr verbindet sie Recherchen zum Gerberhandwerk im Ruhrgebiet mit dem Le Journal des Écorchés (1995–2006) von Norbert Montaudoin. Mit dem Researcher Samuel da Costa untersucht sie dazu Fragen zu Dirty Work, Hygiene und Sozialer Klasse.

Tablescapes

Nils Norman

Ein älterer Mann mit Hut schreibt in ein Notizbuch an einem Tisch mit gedrucktem Architekturmotiv.

© Daniel Sadrowski

© Daniel Sadrowski

Neutral und funktional sollten mobile Tische sein. Doch die von Nils Norman irritieren diese Selbstverständlichkeit: Ihre Oberflächen zeigen ausgefräste Elemente unterschiedlicher Architekturen aus dem Ruhrgebiet – Kirchtürme, Fassaden aus der Gründerzeit, Platten- oder Gewerbebauten. Was als schlichte Arbeitsunterlage dient, wird zur opulenten Modelllandschaft. 

Norman arbeitet seit vielen Jahren interdisziplinär an der Schnittstelle von Skulptur, Natur, Architektur, Stadtplanung, Möbeldesign und Pädagogik, stets zur Frage: Wem gehört der öffentliche Raum und wer darf ihn gestalten? Er entwickelte Fußgängerbrücken, Theatervorhänge, Spielplätze, Gärten und Wegeleitsysteme, wobei er mit viel Humor seine Kritik an gängigen Vorstellungen von Stadtentwicklung, Lokalpolitik und ökonomischen Systemen formuliert. In seinem Archiv Urbanomics sammelt er seit 1997 Sicherheitsarchitekturen, wobei ihn die Frage nach der Gestaltung von Kontrolle interessiert und wie die Nutzung eines Raumes durch dessen Design beeinflusst wird. Mit dem umgebauten Reisebus mit Gewächshaus und Lesesaal Geocruiser (2002) schuf er eine mobile Bildungs- und Begegnungsinfrastruktur. 2005 ließ er mit einer 80m langen Brücke inklusive See und Insel einen neu gebauten Stadtteil im dänischen Roskilde mit seinen Nachbarschaften verbinden. 

Normans Tische für die Grand Snail Tour erfüllen eine Funktion und unterlaufen sie zugleich. Die klappbaren Gestelle verbinden Flexibilität und Mobilität mit barocker Ausgestaltung – Oberflächen, die mehr erzählen als nötig. Als Teil der Sammlung reisen sie von Beginn an mit, werden aufgestellt, verwendet und wieder eingeklappt. An jedem Stopp treffen die Tisch-Landschaften auf neue Stadträume und erzeugen stets eine produktive Reibung zwischen dem abgebildeten und tatsächlichen Ort. 

Künstler*in

Open Artsit

Nils Norman

Nils Norman ist ein in Amsterdam und München lebender Künstler. Er arbeitet interdisziplinär in den Bereichen Kunst im öffentlichen Raum, Architektur und Stadtplanung.

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