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Heidi Specker

© Heidi Specker

Heidi Specker (*1962, Damme, Deutschland) ist eine in Berlin lebende Künstlerin. Ihre fotografische, konzeptuelle Praxis dekliniert fotografische Genres und thematisiert darin das Medium Fotografie selbst. 1995 entstehen Speckergruppen, 2003 Im Garten. Ab 2008 verbindet sie Orte mit historischen Persönlichkeiten und künstlerischen Positionen: Landhaus Lemke mit Mies van der Rohe, 2010 Termini mit Giorgio de Chirico und Carlo Mollino sowie 2016 Re-prise zu Moi Wer. 2020 und 2022 entsteht die biografische Arbeit DAMME. 2026 folgt Damenzimmer zu Aenne Biermann. Specker überträgt ihre Arbeiten in Buchform oder zeigt sie ausschließlich ausstellungsbasiert, etwa Help me I am blind gemeinsam mit Theo Deutinger, 3 Women mit Anna Viebrock und Le pigment de la lumière mit Olaf Nicolai. Einzelausstellungen zeigte Specker u. a. im Sprengel Museum Hannover, der Pinakothek der Moderne München, der Berlinischen Galerie Berlin und der Camera Austria Graz. 

Local Blackouts

Lütfiye Güzel

Eine Person mit brauner Lederjacke betrachtet eine große, gedruckte Zeitung auf einem Aufsteller mit der Überschrift 'Wesel'.

© Daniel Sadrowski

Ein Schild mit einer abstrahierten Zeitungsgestaltung mit wenig Text.

© Heinrich Holtgreve

Ausgangsmaterial ist ein besonders kurzweiliges Format aus dem Alltag: die Tageszeitung. Lütfiye Güzel, Poetin aus Duisburg und Vertreterin eines konsequent selbstverlegten, körpernahen Schreibens, lässt sich für die Grand Snail Tour von Projektpartner*innen und Passant*innen Lokalzeitungen und -beilagen aus den zu bereisenden Städten zusenden. Aus diesen Dokumenten erzeugt Güzel durch gezieltes Ausstreichen und Schwärzen von Textpassagen insgesamt 53 Gedichte — Local Blackouts —, die auf Aufstellern an jeder Station veröffentlicht werden.

Die Methode der Blackout Poetry ist eine Form der Found Poetry und wird bei Güzel zum politischen Akt. Das Schwärzen zitiert die Logik der Zensur, kehrt sie aber um, denn das unkenntlich Machen hat nicht Unterdrückung, sondern Verdichtung zum Ziel: Was bleibt, wenn der redaktionelle Lärm verschwindet? Lyrische Miniaturen, die in ihrer Knappheit dem Haiku ähnlich ist. Güzels Entscheidung, diese Textarbeiten im öffentlichen Raum zu zeigen, stellt zudem implizit die Frage: Für wen werden solche Texte geschrieben, und wer kommt darin vor?

Lokalzeitungen sind ein ambivalentes Medium. Sie fördern und informieren Nachbarschaften jenseits von Social Media — doch die Sprache und Nachrichtenauswahl ist häufig hetzerisch und vereinfachend. Tatsache ist, dass Lokalzeitungen an Bedeutung und finanzielle Unterstützung verlieren. Güzels Aneignung bewahrt und befragt dieses Erbe zugleich. Präsentiert auf herkömmlichen Presseaufstellern verleiht ihre Arbeit der Grand Snail Tour ein vertrautes Erscheinungsbild von regionaler Kultur und überführt diese gleichzeitig in die poetische Abstraktion.

Künstler*in

Open Artsit

©Ben Knabe

Lütfiye Güzel

Lütfiye Güzel ist Dichterin und bringt seit 2014 Gedichte unter ihrem eigenen Label go-güzel-publishing heraus.

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