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Jan Brokof

©Roland Baege

Jan Brokof (1977) wurde in der ehemaligen DDR geboren. Seine frühen Arbeiten sind vom sozialen Umfeld seiner Kindheit mit seinen Plattenbauarchitekturen und den Schornsteinen der örtlichen Erdölraffinerieanlagen geprägt. So rekonstruiert er sein komplettes Kinderzimmer als dreidimensionalen Holzschnitt, einschließlich der Sansevierien auf dem Fensterbrett und Poster von Billy Idol, Baywatch und Madonna an den Wänden. Neben den Holzschnitten entstehen farbenfrohe Zeichnungen, die in plakativem Stil menschliche Interaktionen sowie gesellschaftliche Strukturen thematisieren. Eine vergleichbare Art der Stilisierung offenbart sich auch in den vielfarbigen Collagen, mit denen er sich anschließend befasst. In Berlin lernt er das Theaterkollektiv andcompany&Co. kennen, mit dem er in Brasilien auf Tournee geht. Gemeinsam mit dem flämischen Theaterregisseur und Schriftsteller Joachim Robbrecht gründet Jan Brokof Hans Staden TV als fortlaufendes Videoprojekt. Darin stellen sie die Geschichte des Abenteurers Hans Staden aus dem 16. Jahrhundert im heutigen São Paulo nach und erschaffen dabei eine Außenseiterpersönlichkeit, einen archetypischen Touristen. Dieser findet sich in den unterschiedlichsten surrealen Szenarien wieder, die durch das Aufeinanderprallen der verschiedenartigen Kulturen sowie die Vermischung von Vergangenheit und Gegenwart entstehen.

7000 Palmen

Cosima von Bonin

© Daniel Sadrowski 

Die Palme ist Siegeszeichen und Strandbar-Logo, zentrales Motiv in der Bibel sowie der Urlaubswerbung, Wappenpflanze unzähliger Nationalflaggen und vielseitig genutzter/vielfach verschickter Emoji. Cosima von Bonin arbeitet mit dem populären Symbol als stilisierte Konturform. Sie nimmt dabei offensichtlich Bezug auf Beuys soziale Plastik 7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung, für die er 1982 für die documenta 7 auf dem Vorplatz des Fridericianum in Kassel 7000 Basaltstelen aufschüttete, die mit jeder in der Stadt neu gepflanzten Eiche abgetragen wurden: Je mehr Bäume in Kassel gepflanzt wurden, desto kleiner wurde die Plastik. Noch heute sind die „Beuys-Eichen“ durch die jeweils daneben eingelassenen Stelen gut zu erkennen.  

Die Künstlerin vervielfältigte die Pflanze 7000-fach als luftige Girlande in grün und weiß. Die Besitzer*innen der kostenlosen Edition – ob Museum, Schule oder Sportverein – können damit öffentliche Räume markieren. Die Methode der Vereinfachung ist uns auch aus anderen künstlerischen Arbeiten von Bonins bekannt: Sie fragmentiert, abstrahiert und erzeugt damit eine Anziehungskraft zwischen Wiedererkennung und Verfremdung. Generell ist Textil ein zentrales Material, beispielweise als collagierte Stoffbilder, übergroße Kleidungsstücke, Wandteppiche oder Skulpturen, die nach dem Vorbild bekannter Comicfiguren entstehen, oder Plüschtiere abbilden. 

Von Bonin wurde international und mit Einzelausstellungen im Museum Ludwig Köln, im MUMOK Wien, im SculptureCenter New York und zuletzt im Mudam Luxemburg gewürdigt und nahm 2007 an der documenta 12 sowie 2022 an der Biennale di Venezia teil. Als fester Bestandteil der Sammlung betont 7000 Palmen den öffentlichen Charakter der Grand Snail Trailer und schmückt den Trailer als willkommen heißenden Ort zwischen Marktstand, Vereinsheim und Kunstprojekt. 

Künstler*in

Open Artsit

© Simone Junker

Cosima von Bonin

Cosima von Bonin zählt zu den einflussreichen Positionen ihrer Generation. Sie war 2007 an der documenta 12 und 2022 an der Biennale di Venezia beteiligt.

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