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Urban School Ruhr

Reise-

Tagebuch

TAG 4

ATHEN

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Unseren letzten Exkursionstag verbrachten wir zum Großteil erneut auf der Konferenz AUTONOMA. Ethel und César von dpr Barcelona, die wir schon am ersten Abend auf dem Filopappou getroffen hatten, hielten einen Vortrag über „Political Friendship“ und Léopold Lambert berichtete über die Arbeit an seinem Magazin The Funambulist.

http://www.autonoma.gr/

http://www.dpr-barcelona.com/

http://thefunambulist.net/

 

A

Abschließend diskutierten die Reisenden der Urban School Ruhr lange über Formen der Kooperation im Kunst- und Kulturbereich. Wo hört professionelle Zusammenarbeit auf, wo fängt Freundschaft an? Differenzieren wir überhaupt dazwischen, wenn ein Großteil unserer Kommunikation über Social Media läuft, in denen jede Kontaktperson ein „Freund“ ist? Und welche Bedeutung hat professionelle Freundschaft in einer Stadt wie Athen, in der kollektives Handeln beinahe unausweichlich zur Notwendigkeit wird, um wesentliche Infrastrukturen zu erhalten, bzw. erst aufzubauen? – Genug Stoff also, um über das Gesehene und Gelernte auch in den nächsten Wochen noch zu reflektieren und es selbst weiterzudenken.

 

Wir sehen uns in Liverpool!

TAG 3

ATHEN

D

Den Tag begannen wir bei SynAthina, einer Organisation, die bei der Athener Stadtverwaltung angesiedelt ist und einerseits als Vermittler zwischen freien Gruppen und der Stadt arbeitet, abgesehen davon aber auch verschiedene Einzelprojekte durchführt. Einerseits macht SynAthina etwa alte Gebäude wieder nutzbar für freie Projekte, andererseits ist eines ihrer größten Anliegen das Entfernen von Graffitis und Tags im Stadtraum – eine Aufgabe, die im Vergleich zu den Problemen in der Stadt, deren Ausdruck diese ebenfalls sind, weniger nachhaltig erscheint.

http://www.synathina.gr/

D

Den Rest des Tages verbrachten wir auf der Konferenz AUTONOMA, die verschiedenste Beiträge zu den Themen Autonomie in der Stadt und deren kollektiver Gestaltung präsentiert. Sie findet in den Räumen der Onassis Foundation statt, eine große private Stiftung, die unter anderem Kunst- und Kulturförderung in Griechenland vergibt. Da es kaum noch staatliche Förderungen gibt, kommen Stiftungen wie dieser eine wichtige Rolle in der Kunstlandschaft Griechenlands zu. Private Stiftungen bestimmen zunehmend, welche Großprojekte durchgeführt werden – interessant ist in diesem Zusammenhang natürlich, dass die Stiftung eine Konferenz zu autonomer Stadtgestaltung ausrichtet.

http://www.autonoma.gr/

N

Nach einer Einführung von Eleni Katrini, eine der Organisatorinnen, nahmen wir an verschiedenen Panels und Projektpräsentationen teil. Am Abend hörten wir Vorträge, unter anderem von Erik Swyngendouw, Professor für Geografie an der University of Manchester, der die Möglichkeit von Autonomie generell und derzeitiges politisches Engagement von Bürgern in Europa in Frage stellte.

TAG 2

ATHEN

D

Den zweiten Tag unserer Exkursion nach Athen starteten wir an einer „richtigen“ Universität, der National Technical University of Athens (NTUA). Dina Vaiou, Professorin des Fachbereichs Stadt- und Regionalplanung erklärte uns die Hintergründe der derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Situation Griechenlands und erläuterte auch, in wie weit die Austeritätspolitik und deren Folgen Auswirkungen auf die Rolle der Frau und den Status von Minderheiten in der Gesellschaft hat.

Z

Zum Mittagessen trafen wir uns in Vassilis Taverne in Dourgouti, wo das Projekt Urban Dig ins Leben gerufen wurde. Auf einem performativen Rundgang durch das Viertel schärfte Giorgos Sachinis, Mitbegründer des Projekts, unsere Wahrnehmung für die kleinen Details, die dieses Viertel ausmachen und vermittelte einen lebendigen Eindruck dessen sozialer Dynamiken.

http://www.urbandigproject.org/

I

Im Navarinou Park, der von Bewohnern des Viertels Exarchia gestaltet wurde und nun von diesen verwaltet und gepflegt wird, trafen wir die Anthropologinnen Anna Giulia de la Puppa und Letizia Bonanno. Anna Giulia berichtete uns von ihrem Forschungsprojekt zu dem Viertel und insbesondere dem Navarinou Park und Letizia gab uns einen Einblick in ihre Arbeit in einer selbst organisierten Klinik in Athen. Da immer mehr Menschen in Athen aus dem Gesundheitssystem ausgeschlossen werden, wurden mittlerweile 25 solcher Krankenhäuser als Notanlaufstellen für Kranke geschaffen, um eine gesundheitliche Mindestversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

http://alternation.info/navarinou-park/

TAG 1

ATHEN

Die Urban School Ruhr ist wieder unterwegs! Unsere dritte Exkursion führt uns in die griechische Hauptstadt. In Athen nehmen wir erneut verschiedene Initiativen und Projekte unter die Lupe, die sich mit Stadt-Machen beschäftigen. Außerdem sind wir zu Gast auf der Konferenz Autonoma.

U

Unser Trip startete am Viktoria Square und führte uns danach direkt zum Green Park, einem ehemaligen Café und Tanzhaus. Das wurde im Juni 2015 von einer Gruppe von Künstlern und Aktivisten besetzt und ist nun Treffpunkt und Veranstaltungsort für Kunstprojekte. Zurzeit findet dort die Athener Performance Biennale statt, eine selbst-organisierte Biennale für Performance Kunst und Politik, welche komplett ohne Fördermittel organisiert und durchgeführt wird. Gigi und Kostas erzählten uns in den Räumen von ihrer Arbeit und gaben uns gleichzeitig Einblick in die kulturpolitischen Strukturen der Stadt.

https://greenparkathens.wordpress.com/

https://performancebiennial.org/

 

D

Direkt nebenan im Pedion tou Areos, einem mittlerweile vernachlässigten Park, trafen wir uns mit Elpida Karaba von PAT – Temporary Academy of Art und Julia von der Avtonomi Akadimia. Die beiden künstlerischen Bildungsprojekte beschäftigen sich mit alternativen Formen von Wissenstransfer. Die beiden Künstlerinnen berichteten über die Chancen und Schwierigkeiten, solche Projekte in Athen zu realisieren, einer Stadt, in der öffentliche Kulturförderung kaum noch existiert und in welcher die Rhetorik der Krise allgegenwärtig ist.

http://blog.goethe.de/actopolis/pages/soft-power_en.html

http://avtonomi-akadimia.net/

 

A

Am Abend bekam die Urban School Ruhr einen ungewöhnlichen Book Launch geboten: Auf dem Hügel Filloupapou unterhalb der Akropolis trafen wir Ethel Baraona Pohl und César Reyes Nájera vom Verlag dpr aus Barcelona. Sie stellten uns ihre neueste Publikation, »Archipelago of Protocols« von Aristide Antonas vor. Das Buch präsentiert Methoden – oder Spielregeln -, um in der Stadt Athen temporäre Interventionen zu realisieren.

http://www.dpr-barcelona.com/

TAG 4

MARSEILLE

A

Am letzten Tag unserer Exkursion nach Marseille besuchte die Urban School Ruhr das Hauptquartier der Euromediterranée, ein beinahe die gesamte Innenstadt umfassendes Stadterneuerungsprojekt im neuen Marseiller Business-District. Wir bekamen erläutert, was das Projekt bisher in der Stadt gebaut und verändert hat und welche Planungen anstehen. Das sind vor allem architektonische Großprojekte, Due Schaffung von hochpreisigem Wohnraum und der Umbau des Hafens für große Kreuzfahrtschiffe - ein absolutes Kontrastprogramm zu den Projekten der unabhängigen Initiativen, die wir bisher besucht hatten.

http://www.euromediterranee.fr/

D

Den Mittag verbrachten wir bei l'Office, einer Initiative, die Projekte im Bereich der digitalen Bildung realisiert und sich mit der Archivierung von digitalen Daten im Rahmen historischer Forschung beschäftigt. 

http://loffice.coop/accueil/

Z

Zuletzt trafen wir uns mit dem Collectif etc., einer Gruppe junger Architekten, die z.B. auf dem Gelände der Friche la Belle de Mai ein     Mini-Hotel errichtet hat, aber auch performative Projekte realisiert. 2011/2012 reiste das Kollektiv im Rahmen von "le Détour de France" mit dem Fahrrad ein Jahr lang durch ganz Frankreich und arbeitete mit den Menschen in ganz unterschiedlichen Kommunen gemeinsam an Projekten, die das Zusammenleben in den Städten verbessern.

http://www.collectifetc.com/

 

Voll mit neuen Eindrücken und Ideen geht es für die Teilnehmenden der Urban School Ruhr nun zurück nach Witten, Berlin oder auch Hawaii.

Wir sehen uns in Athen! 

TAG 3

MARSEILLE

A

Am dritten Tag unserer Exkursion nach Marseille nahmen wir die Fähre zu den Iles de Frioul. Früher militärische Anlage und Quarantäne-Station, gründete der Künstler Jean-Claude Mayo hier gemeinsam mit seiner Frau Nadine 1989 die République Libre du Frioul. Im fiktionalen Staat konnte jeder auf Bewerbung Minister werden. Auch eigenes Geld, das Polymonnaie, druckten Mayo und seine Mitstreiter.

Wir wanderten auf der Insel auf den Spuren der République, die mittlerweile ruht und diskutierten Sinn und Möglichkeiten alternativer Staatsgründungen als Form sozialen Protests.

http://republiquelibre.free.fr

 

A

Am Nachmittag trafen wir südlich der Stadt das Kollektiv Yes We Camp - am Strand. Schon in Paris hatten wir Mitglieder der Gruppe besucht, die Teil der Initiative Les Grands Voisins sind. Yes we Camp betrieb im Jahr der Kulturhauptstadt als Teil von OFF de Marseille 2013 einen innerstädtischen Campingplatz. Nicht nur konnten Gäste dort übernachten, sondern bekamen auch Kinoabende, Konzerte und mehr geboten. Yes We Camp realisiert mittlerweile in den verschiedensten Ecken Frankreichs gemeinsam mit den Menschen vor Ort Projekte. Dabei baut das Kollektiv temporäre Architekturen, arbeitet aber auch in Leerständen und richtet im Rahmen der Caravanade alte Wohnwagen als Werkstätten in ganz Marseille ein.

http://yeswecamp.org
http://lesgrandsvoisins.org

TAG 2

MARSEILLE

N

Nachdem am Morgen der Besuch von Le Corbusiers Cité Radieuse, ein Klassikers der modernen Architektur und damals Musterbeispiel für Wohnkomfort und die kollektive Nutzung von Wohnraum, auf dem Programm stand, fuhren wir ins Zentrum von Marseille. Gemeinsam mit Nicholas vom Bureau des Guides begaben wir uns auf einen Streifzug durch die Quartiers Noailles, Le Panier und la Plaine. 

 

N

Nach dem Besuch des 2013 für die Europäische Kulturhauptstadt gebauten Museums MUCEM am Hafen trafen wir uns mit Martha, die Mitglied der Assemblée de la Plaine ist. Die Vereinigung setzt sich für die Belange der Bewohner des Quartiers ein, vor allem gegen Verdrängung und für die Nutzbarmachung öffentlicher Räume, wie Parks und Plätze. Gegen den Willen der Quartiersverwaltung hat die Assemblée den örtlichen Park mit einfachen Mitteln - etwa dem Aufstellen von Bänken und Tischen - zu einem Aufenthaltsort für die Bewohner gemacht.   

I

In den Räumen des Kollektivs Marseille 3013 In der Rue de la République trafen wir Stéphane, der uns erzählte, wie aus OFF de Marseille 2013, einem alternativen Programm zur Kulturhauptstadt, die Gruppe Marseille 3013 entstand. Die organisiert Ausstellungen, vergibt Künstlerresidenzen - vor allem aber setzt sie sich mit ihren Projekten für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Stadt ein und dafür, dass die Dynamik des OFF-Programms weitergetragen wird. 
 

B

Beim anschließenden diskursiven Dinner hörten wir Vorträge von David Escobar von der Initiative Une Centre ville pour tous, Olivier Bedu vom Künstlerkollektiv Cabanon Vertical und Rehda Califano, der das Programm Quartier Créatifs während der Kulturhauptstadt von Seiten der Stadtverwaltung begleitet hat.  
 

TAG 1

Marseille

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Unsere Marseille-Exkursion startete heute nicht im Stadtzentrum, sondern führte uns direkt in die außerhalb liegenden Stadtteile und  Vororte. In Saint Antoine begann unsere Wanderung auf dem insgesamt 365km langen GR2013, einem während der Europäischen Kulturhauptstadt 2013 von Künstlern entwickelten "Metropolenwanderweg", der nicht nur durch Wald und Wiesen, sondern direkt durch die Stadt Marseille, ihre Peripherie und industriell geprägte Landschaft führt. 

http://bureaudesguides-gr2013.fr

A

Anschließend ging es zur Friche la Belle de Mai, einer ehemaligen Zigarettenfabrik, auf deren Gelände nicht nur ein Filmstudio und Start-Up-Büros untergebracht sind, sondern vor allem zahlreiche Künstler-Ateliers. Schon seit 20 Jahren wird la Friche von engagierten Marseillern betrieben. Neben Ausstellungen, Konzerten und einem Angebot für Kinder und Jugendliche kann man im Sommer die riesige Dachterrasse besuchen und dort Marseille von oben bewundern.

http://www.lafriche.org/fr/