Direkt zum Inhalt

Artists

Billinger & Schulz

Verena Billinger und Sebastian Schulz haben in Gießen, Frankfurt und Hildesheim Angewandte Theaterwissenschaft, Tanz, Choreografie und Performance studiert. Ihre Arbeiten wurden in Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Slowakei und Schweden gezeigt. Inhaltlich beschäftigt sich das Duo mit Aspekten von Gesellschaft und Öffentlichkeit. Für die künstlerische Modellierung und Inszenierung orientieren sie sich an Vor-Bildern und Themen des Körpers, dessen Bewegung sie als Überträger und als Lebenzeichen verstehen, mit dem Bilder, Effekte und affektive Spannungsfelder kreiert werden können. Ihre Freischwimmer-Produktion »ROMANTIC AFTERNOON *« wurde 2012 beim Favoritenfestival in Dortmund ausgezeichnet und ins Auftrittsnetzwerk des NRW Kultursekretariats aufgenommen. 2014 erhielten sie den Förderpreis des Landes NRW für junge Künstler in der Sparte »Theater, Regie, Schauspiel, Gesang, Tanz, Bühnenbild«. Von 2015 bis 2017 wird ihre Arbeit mit der Spitzenförderung des Landes NRW gefördert. Zuletzt wurden sie im Jahrbuch 2015 der Zeitschrift tanz als »Hoffnungsträger« der deutschen Tanzszene ausgezeichnet. »Violent Event« wurde als eine von 12 herausragenden Produktionen für die Tanzplattform 2016 ausgewählt. Auch werden Billinger und Schulz erneut im Rahmen des Theaterfestivals Favoriten 2016 intervenieren.

a

osa_office for subversive architecture

osa versteht sich als offene Arbeitsgemeinschaft im Zwischenbereich von Architektur und Kunst. Sie beschäftigt sich mit der experimentellen Gestaltung und/oder der Transformation von Raum, unabhängig von Maßstab und Definition, sowie der Subversion festgefügter Sichtweisen. Dabei variieren die Projektformen zwischen dauerhaften Konstruktionen und flüchtigen Happenings. Ihre Mitglieder leben und arbeiten an verschiedenen Orten: Berlin, Darmstadt, Dortmund, Frankfurt, Graz, London, München und Wien. So werden Projekte immer in verschiedenen Konstellationen und zum Teil auf internationaler Ebene realisiert. Ferner stehen Lehraufträge, Forschungsprojekte und Workshops an verschiedenen Institutionen im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Mit der Lichtinszenierung »discharge / recharge« gestaltete osa eine konzeptionelle Verabschiedungszeremonie eines leerstehenden Wohnturms für das Projekt Urban Lights Ruhr im Jahr 2013. Außerdem war osa u.a. an der Ausstellung »Contemplating the Void: Interventions in the Guggenheim Museum« beteiligt, die anlässlich des 50-jährigen Bestehens im Guggenheim Museum in New York stattfand und erhielt 2012 den »Special Award for Forward Thinking« des britischen Architekturmagazins Architects Journal. Im Dortmunder Hafen präsentierten Karsten Huneck (London), Oliver Langbein (Dortmund) und Bernd Trümpler (Berlin) im Namen von osa die Installation well,come.

A

Nevin Aladağ

Die deutsche Künstlerin Nevin Aladağ hat türkische Wurzeln und kam 1973 nach Deutschland. Sie wuchs in Stuttgart auf. 2000 schloss Aladağ ihr Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München ab. Fragen nach Herkunft und Identität sind ein zentraler Aspekt in ihren Werken. Häufig löst sie dabei Alltägliches aus seinen gewohnten Zusammenhängen und bringt es in neuen Konstellationen wieder zusammen. Dabei argumentiert die Künstlerin gerade nicht aus einer Position des Verlustes der kulturellen Identität in der Migration. Nevin Aladağs Arbeiten bestehen häufig aus skulpturalen Interventionen, medialen Darstellungen und Low-Tech-Videodokumentationen, die zum Handeln statt zum passiven Anschauen herausfordern. In der Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdwahrnehmung, Rollenzuschreibungen und Selbstentwürfen hinterfragt die Künstlerin nicht nur Klischees und vorgeprägte Erwartungshaltungen grundlegend, sondern begegnet ihnen mit einer Mischung aus Traditionsverlust, dem Bewahren kultureller Identität und selbstbewussten Gegenentwürfen der eigenen Identität. Einzelausstellungen u. a. in der Frankfurter Schirn Kunsthalle, der Berlinische Galerie, am Institute for Contemporary Art London sowie der Münchener Pinakothek der Moderne und Sammlung Moderne Kunst. Außerdem nahm sie an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, u. a. im Museum Fridericianum, Kassel; Centre Culturel Suisse, Paris; Martin Gropius Bau, Berlin; Museo Tamayo, Mexico City; Museum Ludwig, Köln; Kunsthaus Zürich uvm. Darüber hinaus war sie Teilnehmerin der 11. Istanbul Biennale in der Türkei und der 8. Taipei Biennale in China. Nevin Aladağ ist zudem Trägerin des George Maciunas Förderpreises 2008 sowie des GASAG Förderpreises 2007. Im Rahmen der Emscherkunst 2016 wird Aladağs Installation »Wellenbrecher« gezeigt.

b

atelier le balto

atelier le balto wurde im Jahr 2001 von Marc Pouzol und Laurent Dugua gegründet. Gemeinsam mit der französischen Landschaftsarchitektin Véronique Faucheur leitet Marc Pouzol das Berliner Landschaftsarchitekturbüro. Das Atelier legt seinen Schwerpunkt auf der Transformation von Außenräumen und überzeugt durch eine Handschrift der minimalen Eingriffe und der Berücksichtigung des Vorhandenen. Damit erschließen sie abgeschottete, verwilderte und brachliegende innerstädtische Grünräume unter ästhetischen Gesichtspunkten neu und machen sie der Öffentlichkeit zugänglich. Zusammen mit Marc Vatinel aus Le Havre, Frankreich hat atelier le balto in den vergangenen Jahren Gärten und Parks für viele, oft kulturell bedeutsame Orte geschaffen wie das Palais de Tokyo in Paris, die Villa Romana in Florenz, das Ludwig-Forum in Aachen, das Landesmuseum in Mainz sowie in Berlin für die Kunst-Werke, den Hamburger Bahnhof, das Jüdische Museum und die Berlinische Galerie. Im Rahmen der Emscherkunst 2016 verwandelt atelier le balto für 100 Tage einen großen, verwilderten Haselnusshain nahe eines Autobahnzubringers in Dortmund in eine begehbare, grüne Plattform am Flussufer.

B

Benjamin Bergmann

Das Absurde, Irritationen, Fehler, Auslenkungen aus der Wirklichkeit sind Werkzeuge, mit denen Bergmann seine raumgreifenden Installationen, Skulpturen und Objekte bearbeitet. Dabei können die Werke in ihrer sichtbaren Funktionalität und den deutlichen Gebrauchsspuren oftmals selbst als Werkzeuge erkannt werden. In Form einer physisch erfahrbaren Gegenüberstellung von Werk und Betrachter provoziert der Künstler einen Dialog. Die Arbeiten gehen Künstler und Publikum gleichsam zur Hand, aktiv zu werden, Fehler zu ermitteln und wieder neue Fehler zu begehen. So schuf Bergmann beispielsweise für das Ausstellungsprojekt »Tatort Paderborn« eine überdimensionale Wäschespinne, bestückt mit sorgfältig nach Farben und Formen sortierten Kleidungsstücken und platzierte diese auf den großen »Rikus Brunnen« am Eingang der städtischen Fußgängerzone. Das Brunnenwasser wird im Inneren der Konstruktion nach oben weitergeleitet und ergießt sich in feinen Wasserfontänen über die Textilien, die damit unablässig am Trocknen gehindert werden. Der Betrachter durchlebt mehrere Stufen der Rezeption: Ein anfänglich unaufgeregter, vertrauter Blick entwickelt sich zu einer amüsierten Überraschung und gerät oft in eine nachdenkliche Mehrdeutigkeit, bei der fast alle Gemütszustände möglich sind. Benjamin Bergmann schafft es immer wieder, den vertrauten Blick des Betrachters fast heimtückisch zu durchkreuzen und neue Dimensionen des Gewohnten zu präsentieren. Bergmann ist in zahlreichen Sammlungen vertreten und hat eine lange Liste an Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland vorzuweisen. Darüber hinaus erhielt der Künstler mehrere renommierte Kunstpreise. So wurde er beispielsweise 2011 von einer internationalen Fachjury zum »Künstler des Jahres« gewählt und erhielt 2012 den Preis der Stadt Nordhorn. 2015 absolvierte er ein Stipendium der Bundeskulturstiftung im Palazzo Barbarin in Venedig. Mit Chiosco bringt der Münchener Künstler ein Stück venezianischen Flair in die Emscherregion und lädt die Besucher während der Emscherkunst 2016 zu einer fiktiven Fernreise nach Italien ein.

Hannah Biedermann

Von 2003 bis 2005 besuch der Schauspielschule Theater der Keller in Köln. Danach Studium der Szenischen Künste an der Universität Hildesheim. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über die ästhetischen Strategien und Verfahrensweisen im zeitgenössischen Kindertheater am Beispiel von »Showcase Beat Le Mot«. 2008 gründetet sie die Theatergruppe »pulk fiktion« (Bonn/Köln), eine freie Kinder- und Jugendtheatergruppe, mit der sie bis heute sechs Produktionen verwirklicht hat, die zu diversen nationalen und internationalen Festivals eingeladen wurden. Das Arbeiten mit »pulk fiktion« ermöglicht ihr, das freie erforschen genreuübergreifender und interdisziplinärer Formen jenseits klassischer Narrative für ein junges Publikum. Es gilt die Grenzen des Kinder- und Jugendtheaters nachhaltig um performative und interaktive Formate zu erweitern. Von 2010 bis 2013 war Sie als freischaffende Regisseurin, Performerin und Theaterpädagogin aktiv. Und daran anknüpfend von Mai 2013 bis 2015 als Dramaturgin und Regisseurin am COMEDIA Theater in Köln angestellt. Seit Frühjahr 2015 ist sie wieder als freischaffende Regisseurin bundesweit tätig und realisiert u.a. im Rahmen des Theaterfestial Favoriten 2016 Interventionen im Dortmunder Unionviertel .

Massimo Bartolini

Der italienische Künstler Massimo Bartolini arbeitet mit verschiedenen Materialien und Medien, von Skulptur über Performance bis hin zur Fotografie. Durch häufig recht einfache Anpassungen wie Licht und Perspektive verändert und täuscht Bartolini in seinen Arbeiten radikal die Wahrnehmung des Betrachters und verzerrt die Einschätzung von räumlichen wie zeitlichen Dimensionen: Ein Schlafzimmer, das den Eindruck erweckt, es versinke im Boden, ein Galerieraum, dessen Licht sich durch die Schritte der Besucher verändert oder ein weißer Raum mit abgerundeten Ecken, der das Erkennen von Wänden oder Entfernung unmöglich macht (»Head no. 8«). Bartolini selbst nennt seine Werke auch »animierte Architektur«, die den Betrachter in seiner Wahrnehmung destabilisiert und der Orientierungslosigkeit aussetzt. Oft haben Bartolinis Werke sehr sinnliche Konnotationen und versetzen den Besucher in eine Art meditativen und kontemplativen Zustand, der dazu anregt, über die Relativität des Beständigen und das Unveränderbare zu reflektieren. Bei der documenta 13 installierte Bartolini seine Arbeit Untitled (Wave) vor der Kasseler Orangerie: Ein Wasserbecken, in dem eine Welle unendlich und gleichmäßig hin- und herschwappt. Massimo Bartolini nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen teil, u. a. der documenta (2013), Manifesta (2002), der Biennale of Sao Paulo (2004), der Biennale di Venezia (1999, 2009, 2013) u.v.m. und hatte weltweit bereits zahlreiche Einzelausstellungen, u. a. im Museo Marino Marini (2015) Florenz, SMAK (2013) Gent, Fruitmarket Gallery (2013) Edinburgh, Museum Serralves (2007) Porto, Ikon Gallery (2007) Birmingham und im P.S.1 New York (2001). In Anlehnung an den russisch-ukrainischen Maler Kasimir Malewitsch (russ. Kazimir Malevič, 1878-1935) schafft der italienische Konzeptkünstler Massimo Bartolini für die Emscherkunst 2016 eine performative Skulptur mit dem Titel »Black Circle Square«.

D

Mark Dion

Mark Dion begann 1984 sein Studium an der School of Visual Arts in New York und nahm 1985 am Independent-Study-Program des Whitney Museum of American Art in New York teil, wo er Kontakt zu den Konzeptkünstlern Hans Haacke und Joseph Kosuth hatte. 1986 wechselte er an die School of Art der University of Hartford in Connecticut, 2003 erhielt er dort die Ehrendoktorwürde. Seit Mitte der 80er Jahre befasst sich Dion intensiv mit der Geschichte unseres Umgangs mit der Natur und untersucht speziell die Repräsentationen der Natur in den Wissenschaften als Symptome politischer, gesellschaftlicher und kultureller Diskurse. Vielfach hat er sich zudem mit der Situation und der Zerstörung der Natur in städtischen Ballungsräumen auseinandergesetzt. Die Ergebnisse dieser Feldforschungen präsentiert Dion meist in materialreichen Installationen in Museumsausstellungen wie aber auch im öffentlichen Raum. Mark Dion hatte zahlreiche große Einzelausstellungen, u. a. im Museum Marta Herford (2015), Miami Art Museum (2006), Museum of Modern Art, New York (2004), Aldrich Contemporary Art Museum, Ridgefield, Connecticut (2003) und der Tate Gallery, London (1999). Mit »Neukom Vivarium« schuf er im Auftrag des Seattle Art Museum 2006 eine dauerhafte Außeninstallation und ein Versuchslabor für den Olympic Sculpture Park. Mark Dion wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. von der Larry Aldrich Foundation Award (2001)und war Teilnehmer der documenta 13. 2015 widmete ihm. Im Rahmen der Emscherkunst 2016 verwandelt Dion einen alten Gastank, den er bei seinen Erkundungen auf der Emscher-Insel auf der ehemaligen Kläranlage in Herne entdeckte, in eine begehbare »Forschungsstation«.

Sujin Do

The South Korean artist Sujin Do uses different media for her works like video, photography and sculpture. Do started her studies at the Seoul Institute of the Arts in the department photography. In the year 2005 she came to Germany and started studying at the Kunstakademie Münster (Academy of Fine Arts in Münster); at first in the class of Guillaume Bijl from 2006 until 2009 and since 2009 with Maik and Dirk Löbbert; where she got appointed “Meisterschüler” (master student) in 2011. For EMSCHERKUNST.2010 the South Korean drafted the “Safety Helmets” which were shown within the framework of the project “Golden Village – BASIS” by the Kunstakademie Münster at the Recklinghausen city harbour.

E

Bogomir Ecker

Bogomir Ecker kam als Sohn jugoslawischer Emigranten nach Deutschland und wuchs in Duisburg auf. Nach einer Schriftsetzerlehre studierte er von 1971 bis 1973 an der Kunstakademie Karlsruhe und anschließend bis 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf. 1993 bis 2002 war er Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und seit 2002 ist er Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Bogomir Ecker war 1987 auf der documenta 8 in Kassel vertreten, 2002 war er erster Preisträger des angesehenen »MfI Preises Kunst am Bau« im Essener Museum Folkwang und realisierte 2009 eine Monumentalskulptur für die Stadt Brüssel auf dem großen Place Flagey. Für seine außergewöhnliche Installation reemrenreh (kaum Gesang) das so genannte »Herner Meer« ausgesucht. Am Ende einer Mole, die wie eine Halbinsel zwischen Rhein-Herne-Kanal und Jachthafen liegt, steht eine mehr als zwanzig Meter hohe Skulptur im Wasser.

g

geheimagentur

geheimagentur ist ein offenes Kollektiv. Alle, die an den Projekten von geheimagentur mitgewirkt haben, können das Label »geheimagentur« für zukünftige Projekte nutzen. Deshalb kann die geheimagentur keine Informationen zur Person preisgeben und die Mitglieder bleiben anonym. Vor kurzem hat geheimagentur ihren zwölften Geburtstag gefeiert. geheimagentur produziert Situationen und Einrichtungen, die wie Fiktion erscheinen und dann doch die Realitätsprüfung bestehen. Die Performances von geheimagentur überschreiten die Grenzen symbolischer Politik zu »instant pleasure«: Sie lassen eine andere Realität im Kleinen entstehen, statt mit kritischer Geste die alte Welt zu bestätigen. geheimagentur ist ein freies Label, ein offenes Kollektiv und der Versuch einer praktischen »art of being many«.

H

Henrik Håkansson

Henrik Håkansson interessiert die Beobachtung von (Natur-)Kreisläufen und er setzt sich in seinen künstlerischen Arbeiten besonders mit der heutigen Wahrnehmung von Natur auseinander. Wann ist Natur noch natürlich und wann muss man von »künstlicher Natur« sprechen? Håkanssons Werke bringen Naturebene und Technik auf der Bildebene des Films oder der Fotografie zusammen. Für das Projekt »Feldversuche« befüllte Håkansson zum Beispiel in der Nähe eines Sees in der Landschaft eine große Stahlwanne mit Mutterboden und ließ sie Stück für Stück von Pflanzen der Uferzone erobern lassen. Wenn der Landstrich nicht unter Wasser steht, fällt das Kunstwerk kaum ins Auge. Wird der Uferbereich aber überflutet, beginnt die große Wanne aufzuschwimmen. Sie wird zu einer Art »Insel«, auf der ein Ausschnitt der lokalen Landschaft bewahrt wird. Für Håkansson geht es bei seinen Projekten häufig darum, »die Verbindung des Menschen mit der Natur und seiner Umwelt sichtbar zu machen und den Betrachter für nicht mehr wahrgenommene Prozesse zu sensibilisieren. Die Natur ist dabei Sinnbild für das Prozesshafte. Dies ist umso wichtiger, als in Zeiten ungebremsten Wachstums und ökologischer Krisen die Ausbeutung und Zerstörung natürlicher Ressourcen fast unaufhaltsam abläuft«. Film, Video, Fotografie, Text und Sound bilden einen Rahmen, von dem ausgehend der Künstler einen Raum des Performativen eröffnet, der den Betrachter gleichsam zum Nachdenken wie zum Handeln anregt. Im Rahmen der Emscherkunst eröffnet Håkansson mit The Insect Societies (part 1) eine Vision für die ökologische Zukunft im neuen Emschertal.

Karsten Huneck

Er wurde in Chile geboren und kam nur wenige Jahre später nach Deutschland, wo er an der TU Darmstadt Architektur studierte. Huneck lebt und arbeitet seit 2001 in London und arbeitete dort für verschiedene Architekturbüros, u.a. Foster and Partners. Seit 2014 ist er Senior Lecturer an der MSA in Manchester mit seinem Atelier USE (Urban and Spatial Experimentation). 2008 bis 2014 Associate Professor an der ESA in Paris. Karsten Huneck gründete 2008 zusammen mit Bernd Trümpler das Studio KHBT in London und Berlin, das neben osa als Ort für konzeptuelle Architekturprojekte geführt wird. Im Dortmunder Hafen präsentiert Huneck (London/Berlin) zusammen mit Oliver Langbein (Darmstadt) und Bernd Trümpler (London/Berlin) im Namen von osa die Installation well,come.

Marlin de Haan

Von 2006 bis 2012 absolvierte sie ein Fernstudium im Bereich Kultur- und Medienmanagement an der Hochschule für Musik und Theater/KMM Hamburg mit dem Abschluss Diplom. Im Zeitraum von 2008 bis 2014 war sie Regisseurin und Projektleiterin des Theaterkollektivs de Haan/ von Ernst/ Klomfass. Ihre Arbeiten wurden u.a. am Schauspielhaus Bochum, dem Theater Bielefeld, beim »Junge-Hunde-Festival« (Schillern, 2006) in Meiningen und, in Zusammenarbeit mit von Ernst / Klomfass, beim »Freischwimmer-Festival« (High Definition, 2008) in Zürich, Wien, Berlin, Hamburg und Düsseldorf gezeigt. Gemeinsam mit der Österreicherin Vanessa Eder (Kostüm/Raum und Animationsdesign) erarbeitete sie 2010 die begehbare Installation »PROVISORIUM – eine Reflexionsbude« (100°Berlin – Festival, Fringe – Festival/Hamburg) und die Performance »Hallo BUDE! – 30 Minuten Unsterblichkeit« (Wuppertaler Performancenacht 2010). Marlin de Haan inszeniert seit 2006 jährlich am FFT in Düsseldorf eine Produktion mit dem Seniorentheater in der Altstadt (SeTA e.V.). Ihre Inszenierung »Die Kleinbürgerhochzeit« von Bertold Brecht wurde 2010 mit dem Amateurtheaterpreis „Amarena“ ausgezeichnet und die Uraufführung »Silverday« zum »Herzrasen«-Festival 2010 ans Schauspielhaus Hamburg eingeladen.

J

Natalie Jeremijenko

Natalie Jeremijenko ist Künstlerin, Ingenieurin und Erfinderin mit besonderem Schwerpunkt auf ökologischen und urbanen Themen. Sie ist ein aktives Mitglied der net.art-Bewegung und ihre Arbeiten setzten an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Umwelt und Technologie an. Zurzeit ist sie Professorin an der New York University in der Fakultät für Visual Art. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich auf dem Feld des experimentellen Designs, welches sie selbst als »xDesign« bezeichnet. »xDesign« erkundet die Möglichkeiten, die neue Technologien in Bezug auf sozialen Wandel bedeuten. Im Zentrum steht der Gedanke der Partizipation bei der Produktion von Wissen und Information sowie gleichsam auch die politischen und sozialen Möglichkeiten und Grenzen neuer Technologien. Jeremijenkos Arbeiten umspannen eine weite Auswahl an Medien von statistischen Indexen wie den »Despondency Index«, welcher den Dow Jones mit der Suizidrate der Golden Gate Bridge in San Francisco verknüpft, bis hin zur Robotik, wie bei der Entwicklung den »Feral Robotic Dogs«, die in der Lage sind Umweltgefahren zu untersuchen. Natalie Jeremijenko ist Gründerin und Direktorin der »Environmental Health Clinic«, welche Projekte fördert, die sich die Verbesserung der ökologischen und menschlichen Gesundheit zur Aufgabe machen. 2014 erhielt Natalie Jeremijenko den VIDA Art and Artificial Life International Awards Pioneer Prize, 2013 wurde sie mit dem Most Innovative People Award ausgezeichnet und 2011 wurde sie zu einer der einflussreichsten Frauen in der Technologiebranche gewählt. Mit der U.S.S. – Urban Space Station entwirft Jeremijenko für die Emscherkunst 2016 eine positive Vision für das neue Emschertal. Ziel der Arbeiten und des Wirkens von Natalie Jeremijenko ist es stets, das Leben und die damit verbundene Lebensqualität zu verbessern.

K

Florian Kaplick

Florian Kaplick (Edinburgh) studierte Musik am Meistersinger-Konservatorium in Nürnberg und Medizin an der FAU Erlangen. Sein Interesse an spartenübergreifendem Arbeiten spiegelt sich in einem weitgefächerten Spektrum von Aktivitäten als Musiker (Vokalperformance, Klanginstallation, Rezitation, Klavier, Dirigieren) und promovierter Mediziner (Psychiater) mit Solo- und Kooperations-Projekten für Theater, Konzert, Galerien, Museen, Musikfestivals und Radio. Seit 2008 lebt Kaplick in Edinburgh.

Tadashi Kawamata

Der Japaner Tadashi Kawamata initiiert weltweit Installationen, die in Beziehung zur jeweiligen Umgebung stehen und oft in ihrer architektonischen Struktur einen gewissen Gebrauchswert bzw. eine konkrete Funktion aufweisen. Seine künstlerischen Initiativen haben ganz bewusst Projektcharakter und eine soziale Dimension: So arbeitet der Künstler oft mit Handwerkern oder Bewohnern der jeweiligen Standorte bzw. mit sozialen Randgruppen wie etwa ehemaligen Drogenabhängigen, die in den Realisierungsprozess einbezogen werden. Basierend auf vergänglichen Materialien, wie unbehandeltes Holz, sind die Arbeiten fragil und thematisieren damit den Prozess des Werdens und Vergehens in der Natur. 1982 vertrat Tadashi Kawamata sein Heimatland im Japanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, 1987 wurde er zur documenta 8 in Kassel eingeladen. 1999 bis 2005 lehrte er in Tokio, seitdem hat Tadashi Kawamata eine Professur an der Kunstakademie in Paris. 2005 war Kawamata außerdem Künstlerischer Direktor der 3. Triennale von Yokohama. 2012 war er Teil der 13. Biennale in Istanbul. Kawamata hat in den letzten paar Jahren mehrere Installationen im Außenraum umgesetzt, u.a. im Centre Georges Pompidou in Paris, bei der Art Basel und in Versailles in Frankreich. 2013 erhielt er den Minister of Education Award for Fine Arts, 2014 den L’ordre des Arts et des Lettres (Officier). Für die Emscherkunst 2016 errichtet Kawamata westlich des Wasserkreuzes einen Aussichtsturm, der bewusst den Charakter des Provisorischen, des Unfertigen und des Vergänglichen trägt. Das grundlegende künstlerische Prinzip Kawamatas, das »Werden und Vergehen«, verbindet sich an dieser Stelle mit dem Wandel der Landschaft selbst

L

Erik van Lieshout

Erik van Lieshout gehört zu den bekanntesten niederländischen Künstlern. Seine Projekte bestehen zumeist aus Multimediainstallationen, häufig verbunden mit Videoarbeiten, die in speziellen Räumen gezeigt werden und aus Collagen von Zeichnungen und Bildern bestehen. Themen wie Sex, Gewalt, Politik und Konsumkultur werden in seinen Arbeiten gleichermaßen humoristisch freimütig und respektlos behandelt. Van Lieshouts Filme sind ein Hybrid aus Dokumentation und inszenierter Performance. Dabei überschreitet der Künstler persönliche Grenzen, um die Probleme der Gesellschaft zu enthüllen. Oft schafft van Lieshout besonders ortsspezifische Werke, die sich mit einer Vielzahl an sozialen und politischen Themen beschäftigen. Dabei schafft er bevorzugt einen radikal persönlichen Zugang zu den Orten und Umgebungen, indem er sich selbst als Akteur einbringt und zu einem Protagonisten wird. Im Vorfeld der Manifesta 10 in St. Petersburg beobachtete und begleitete Erik van Lieshout zwei Monate lang die Katzen, die in den Kellergewölben der berühmten Hermitage leben. In der Ausstellung selbst schuf van Lieshout dann eine raumgreifende Installation eines kleinen, engen Tunnels, in dem der Film »The Basement« über die Katzen und ihre Pflegerinnen gezeigt wurde. Die zum Teil sehr humorvollen Szenen der Filme wurden durch politische Collagen über Putin und Russland an den Tunnelwänden konterkariert. Erik van Lieshouts Arbeiten wurden auf der ganzen Welt in zahlreichen Museen und Ausstellungen gezeigt, wie dem Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, im Kunsthaus Zürich sowie in den Städtischen Galerien im Münchener Lenbachhaus, im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, Hammer Museum Los Angeles und bei der Biennale di Venezia. Im September 2016 werden van Lieshouts Werke in einer großen Einzelausstellung im WIELS Centre d’Art Contemporain in Brüssel zu sehen sein. Für die Emscherkunst 2016 tauchte van Lieshout in den Mikrokosmos des Phoenix Sees eingetaucht. Täglich ruderte er vom Festland auf die große Insel, dem »Herzstück des Sees«. Dort verbrachte er einen Großteil seiner Zeit in selbstgewählter Isolation.

Prof. Oliver Langbein

Er studierte an der TU Darmstadt Architektur und lehrte dort auch später Stadtentwicklung, er ist seit 2011 Professor für Szenografie an der FH Dortmund und beschäftigt sich mit der Forschung zu den Potentialen experimenteller Stadtrauminszenierungen. So ist er seit 2012 Leiter des Forschungsprojektes »NExSUD - Network for Experimental Scenographic Urban Development«. 2011-2014 war er einer der beiden Vorsitzenden des Darmstädter Architektursommers. Im Dortmunder Hafen präsentiert Langbein (Dortmund) zusammen mit Karsten Huneck (London/Berlin) und Bernd Trümpler (Berlin/London) im Namen von osa die Installation well,come.

M

Janet Cardiff und George Bures Miller

Die Installationskünstlerin und Filmemacherin Janet Cardiff und der Künstler George Bures Miller arbeiten seit den 1980er-Jahren künstlerisch zusammen, wobei beide Künstler unabhängig voneinander auch autonome Werke schaffen. International bekannt sind Cardiff und Miller vor allem für ihre Klanginstallationen, die oft unheimliche Untertöne besitzen und mit der Ambiguität von Objekten und fragmentierter Narrative spielen. Bei der documenta 13 war das Künstlerduo gleich mit zwei Arbeiten vertreten. Darunter die multimediale Installation »Alter Bahnhof Video Walk«, bei der Besucher auf einen Spaziergang durch den Kasseler Kulturbahnhof eingeladen wurden. Ausgestattet mit Kopfhörern und Mediaplayern bewegten sich Besucher durch den realen Bahnhof, während auf dem tragbaren Bildschirm parallel ein interaktiver Film zu sehen war. In der Kulisse des Bahnhofs erzählte der Film eine Geschichte und erinnerte dabei an die Vergangenheit des Bahnhofs als verkehrstechnischer Knotenpunkt bei dem Abtransport von tausenden Juden in die Konzentrationslager der Nazis. Während des Spaziergangs verwoben sich die Realität auf dem belebten Bahnhof und das Geschehen im Film derart dicht ineinander, dass sich eine eigenartige Verwirrung der vergangenen und gegenwärtigen Wirklichkeiten einstellte und beide Ebenen für die Besucher kaum auseinanderzuhalten waren. Cardiff und Miller hatten Einzelausstellungen u. a. im Hamburger Bahnhof, Berlin (2009), im MACBA, Barcelona (2007), und im Miami Art Museum (2007). Cardiff und Miller waren Teilnehmer der Biennale of Sydney (2008) und der Biennale di Venezia (2001). 2011 erhielten sie den Käthe-Kollwitz-Preis. Die Audioarbeit »Forest (for a thousand years…)« von Janet Cardiff und George Bures Miller eröffnet Besuchern im Rahmen der Emscherkunst 2016 ein besonderes Hörerlebnis.

Jörg Lukas Matthaei

Matthaei studied philosophy and literature in Dijon, Bonn, and Berlin. Since 2000, he has created over 40 works under the label matthaei & konsorten, working with alternative theaters and ensembles and in collaborations with major theaters and festivals, including Wiener Festwochen, Theater der Welt, and Politik im Freien Theater. After initial experiences with the mainstream theater, he developed multi-disciplinary interventions and performances with diverse artists for independent art sites and public spaces in Berlin during the 1990s. On this basis, he professionalized and founded his own label matthaei & konsorten, under which numerous works in various directions have emerged over the past fifteen years; from stage productions, installations, and discourse productions to the development of new formats for urban landscapes, which has been a major emphasis of his work over the past few years. His works include: DIESSEITS VOM KULISSENPARK ein flüchtiges museum der abweichungen (Kunstfest Weimar 014), IM APPARAT DER KRIEGE eine simulation in nachbarschaften (Berlin 014 + Radiofassung für den rbb u.a.), IF I CAN’T DANCE (Wiener Festwochen 013). For Theaterfestival Favoriten 2016, Matthaei will be collaborating with Felizitas Stilleke Kleine and Dorothea Ronneburg in the start up of a neo-solidary for the Ruhr region.

Kunstakademie Münster

Die Kunstakademie Münster ist eine Hochschule für bildende Künste. 1971 als Institut für Kunsterzieher der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf gegründet, wurde die Hochschule im Jahr 1987 selbstständig. Im Sinne einer freien Kunst studieren hier Künstler und Kunsterzieher in gemeinsamen Klassen in den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Installationskunst, Performance, Fotografie, Film und neue Medien. Daneben bilden Geschichte, Kritik, Theorie und Didaktik der Kunst die wissenschaftlichen Schwerpunkte. Im Rahmen der Emscherkunst.2016 entwickeln Studierende der Kunstakademie Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Ferdinand Ullrich mehrere Kunstprojekte und verschiedene Interventionen im urbanen Raum in Dortmund.

Lars Moritz

Lars Moritz lebt in Wien und arbeitet als Performance-Künstler und Alltagsforscher. Er ist Mitarbeiter an der Fakultät für Architektur | Urbanismus an der Universität der Künste in Linz (A). Er betreibt den Co-Workingspace Ver: Schwender in Wien. Lars Moritz gründete das Institut für Alltagsforschung als Plattform für künstlerische Forschung und direkte Aktion. Forschungsprojekte, Installationen und Performances des Instituts wurden in verschiedenen Ländern und an verschiedenen Standorten präsentiert, von Theatern bis Autobahn-Raststätten. Im Jahr 2014 schuf er den Nationalpark in Wien, den ersten Nationalpark in einem Innenstadtbereich. Zusammen mit Performancekünstler Otmar Wagner erfand er das Nachrichtenmagazin AKTION AKTUELL als eine Mischung aus TV-Show und Performance-Kunst. Diese und andere Projekte arbeiten mit der Idee des radikalen Infotainment und neuen Wegen zur Herstellung und Präsentation von Wissen. Im Rahmen von irreality.tv produziert er Internet-Serien. 2016 ist Moritz im Rahmen von Actopolis – Die Kunst zu handeln aktiv. In Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern und der geheimagentur baut er in Oberhausen eine neue Stadt.

M+M

Das Künstlerduo M+M arbeitet an der Schnittstelle zwischen Bildender Kunst und Film. Das Künstlerduo unternimmt zum Teil bizarr wirkende Eingriffe in vernetzte Lebensbereiche wie Autobahnen, Klima oder Körperinneres. In den letzten fünf Jahren liegt der Fokus auf filmischen Surround-Installationen, die narrative Fragmente ohne feste chronologische Einordnung frei miteinander verweben. Der Betrachter wird so unvermittelt zum Flaneur, der den Film in beliebiger Reihenfolge rezipieren kann. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und dem Beginn der gemeinsamen künstlerischen Tätigkeit seit 1994 erhielten M+M ein Stipendium an der Villa Massimo in Rom, 2006 folgte ein Aufenthaltsstipendium in der Villa Aurora in Los Angeles. 2001 bis 02 hatten sie eine Dozentur an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich inne, 2008 eine Gastprofessur an der Peter Behrens School of Architecture in Düsseldorf. M+M sind in den vergangenen Jahren auf zahlreichen internationalen Solo- und Gruppenausstellungen sowie Screenings vertreten gewesen. Im Rahmen der Emscherkunst 2016 wird die Filminstallation »Schlagende Wetter« in der ehemaligen Waschkaue in der Kokerei Hansa in Dortmund gezeigt.

Reiner Maria Matysik

Reiner Maria Matysik hat Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und an den Ateliers Arnhem studiert. In Braunschweig leitete der Duisburger 2004 ein künstlerisches Entwicklungsprojekt. Von 2008-2009 hatte er eine Vertretungsprofessur für Plastik an der Fachhochschule Arnstadt inne. Reiner Maria Matysik stellte in mehreren Gruppen- und Einzelausstellungen aus, darunter die documenta (13) in Kassel. In seinem künstlerischen Schaffen befasst sich Matysik mit dem Dialog zwischen Wissenschaft und Bildender Kunst. Unter Verwendung diverser Materialien erstellt er Modelle möglicher zukünftiger Organismen, sogenannter Bionten. Matysik beschäftigt sich mit der Frage, was Gentechnik für die Evolution und insgesamt für unsere Zukunft bedeutet und geht davon aus, dass die Grenzen zwischen Pflanze, Tier und Mensch verschwimmen werden. Für die Emscherkunst lässt Matysik am Ostufer des Phoenix Sees in Dortmund diesen im Sommer Wolken ins idyllische Seepanorama aufziehen. Mit Hilfe einer Maschine wird das Wasser des Sees in wolkenbildenden Dampf umgewandelt. Neben der Wolkenmaschine installiert Reiner Maria Matysik auch eine begehbare, kugelförmige Station, die verschiedene Arbeiten zum Thema Wolken zeigen wird.

O

Lucy + Jorge Orta

Die künstlerische Praxis von Lucy und Jorge Orta ist kollaborativer Natur und konzentriert sich auf soziale und ökologische Themen. Das Duo bedient sich dabei einer Vielzahl von unterschiedlichen Techniken und Medien von Zeichnungen, Malerei, Skulpturen und Installationen über Modedesign, Fotografie und Videokunst bis hin zu Licht und Performance. Als Reaktion auf das globale Trinkwasserproblem entwickelten Lucy und Jorge Orta die Installation »OrtaWater – Purification Factory (2005)«, im Rahmen dessen Besucher dreckiges Kanalwasser in Trinkwasser umwandeln konnten. Ihr Studio in Paris haben die Künstler zu einem kulturellen Komplex ausgebaut, »Les Moulins«, mit dem Ziel, ein kollektives Umfeld der künstlerischen Forschung und Produktion von zeitgenössischer Kunst zu etablieren. Vor Ort bieten sie Atelierräume für Künstler, Workshops, Ausstellungs- und Bühnenräume an. Zum Studio gehört außerdem ein rund 20 Hektar großer Skulpturenpark. Für ihren kontinuierlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit erhielten Lucy und Jorge Orta 2007 den Green Leaf Award der United Nations für künstlerische Exzellenz in Verbindung mit ökologischen Botschaften. 2013 wurde ihre monumentale Skulptur Meteoros für den Londoner Bahnhof St. Pancras International ausgewählt. Den Werken des Duos wurden zahlreiche große Einzelausstellungen gewidmet, u. a. in der Barbican Art Gallery, London (2005); der Fondazione Bevilacqua La Masa; im Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (2006); sowie im Natural History Museum, London (2010). Lucy und Jorga Orta waren außerdem Teilnehmer der Biennale di Venezia (2005) und der Shanghai Biennale (2012). Mit »Spirits of the Emscher Valley« bereichert das Künstlerduo Lucy + Jorge Orta das neue Emschertal durch einen Parcours von symbolischen Skulpturen. Die Figuren erzählen Geschichten, die eine Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schaffen.

Marie-Luise O'Byrne-Brandl

Marie-Luise O’Byrne-Brandl ist seit 1996 als freischaffende Künstlerin tätig. Sie lebt und arbeitet in Oberhausen. Ihr Bestreben ist es, durch experimentelle Wagnisse Innovation in einer von Menschen bewohnbaren Welt zu schaffen. Ihre Arbeiten sind in einem erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys zu verorten. In ihren Performances befasst O’Byrne-Brandl sich mit Mitgefühl, Endlichkeit und Nähe. Ausstellungen u.a.: 2011 Frisch zubereitet, Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, 2013 Frohlocken, Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, 2015 Kunststoffe, Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, u.v.m. Performances u.a.: 2012 Housework inside out upside down, At Home, Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, 2013 Gedächtniskulturen bedauern, 2015 Wir sind aus solchem Stoff aus dem die Träume werden, Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, 2016 In der Kinderstube der Familie Beuys, Theater Oberhausen u.v.m.

Observatorium

Observatorium wurde 1998 als Stiftung in Rotterdam von Geert van de Camp, Andre Dekker und Ruud Reutelingsperger gegründet. Die Gruppe versteht sich als Grenzgänger zwischen Architektur und Kunst, zwischen Stadtplanung und Landschaftsarchitektur. In den letzten Jahren hat Observatorium mehrere Projekte im Ruhrgebiet realisiert, zuletzt 2015 im Auftrag des Lippeverbandes den LippePolderPark in Dorsten. Bei Nomanslanding im Rahmen der Ruhrtriennale in Duisburg kollaborierte Observatorium mit vier weiteren Künstlern aus Australien und Schottland. Mit Warten auf den Fluss hat die niederländische Künstlergruppe Observatorium ein ganz besonderes Werk geschaffen. Erstmals bei der Emscherkunst im Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 auf der Emscher-Insel präsentiert, hat sich die Skulptur schnell zu einem Publikumsliebling der Ausstellung entwickelt und wird im Sommer 2016 nahe des großen Wasserkreuzes von Emscher und Rhein-Herne-Kanal in Castrop-Rauxel erneut gezeigt.

Ö

Ahmet Öğüt

Ahmet Öğüt kam 1981 in Diyarbakır in der Türkei zur Welt. Heute lebt und arbeitet er in Berlin und Amsterdam als Initiator soziokultureller Projekte, Künstler und Vortragsredner, schreibt Artikel über Kunst, Protestkultur, Kollaboration und Autonomie für das »e-flux journal« und andere Magazine. Öğüt arbeitet mit einer Vielzahl von Medien und hatte unter anderem in folgenden Museen Einzelausstellungen: »Forward!«, Van Abbemuseum, Eindhoven (2015); »Happy Together: Collaborators Collaborating«, Chisenhale Gallery, London (2015) und »Apparatuses of Subversion«, Horst-Janssen-Museum, Oldenburg (2014). Außerdem hat er an zahlreichen Gruppenausstellungen teilgenommen, darunter z.B. die 13. Biennale de Lyon (2015); die 8. Shenzhen Skulpturbiennale (2014) und Fifth Biennial of Visual Art Performance, New York (2013). Unter anderem wurde Öğüt mit folgenden Preisen ausgezeichnet: Visible Award for the Silent University (2013); Sonderpreis des Future Generation Art Prize, Pinchuk Art Centre, Ukraine (2012); De Volkskrant Beeldende Kunst Prijs 2011; Kunstpreis Europas Zukunft, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Leipzig (2010). Gemeinsam mit Banu Cennetoğlu repräsentierte er auf der 53. Biennale von Venedig 2009 die Türkei. Mit der Silent University Ruhr (2015 bis 2017) initiiert Öğüt eine autonome Plattform zum Wissensaustausch für Akademiker, die ihre Kenntnisse und Fähigkeiten aufgrund ihres ihres Aufenthaltsstatus oder wegen Nicht-Anerkennung von Abschlüssen nicht als Lehrende weitergeben können. Zum Schweigen gebrachtes Wissen wird wieder hörbar

P

Manchester Urban Pioneers

In einer Kooperation mit der Manchester School of Arts und der Manchester School of Architecture reisen Kunst- und Architekturstudenten aus Manchester anlässlich des Theaterfestival Favoriten 2016 nach Dortmund, um im Unionviertel eigene Interventionen und künstlerische Projekte zu realisieren. Fünf unterschiedliche Projekte setzen sich mit der Geschichte des Viertels, seiner sozialen und städteplanerischen Struktur und den Menschen vor Ort auseinander. Neben der Umsetzung künstlerischer Arbeiten, steht auch die (Er)Forschung des Viertels und seiner Bewohner im Mittelpunkt.

Rimini Protokoll

Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel bilden seit 2000 ein Autoren-Regie-Team. Ihre Arbeiten im Bereich Theater, Hörspiel, Film, Installation entstehen in Zweier- und Dreier-Konstellationen sowie Solo. Seit 2002 werden all ihre Arbeiten unter dem Label Rimini Protokoll zusammengefasst und angekündigt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Weiterentwicklung der Mittel des Theaters, um ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit zu ermöglichen. So erklären Haug / Kaegi / Wetzel eine Daimler Hauptversammlung zum Theaterstück oder inszenieren unter anderem in Berlin, Zürich, London, Melbourne, Kopenhagen oder San Diego mit hundert statistisch repräsentativ ausgewählten Bürgern 100% Stadt. In Berlin und Dresden entwickelten sie begehbare Stasi-Hörspiele, in denen die Observationsprotokolle per Androidtelefon abhörbar wurden. Zur Zeit touren sie mit nigerianisch-europäischen Geschäftsleuten – Lagos Business Angels, der querschnittsgelähmten MC Hallwachs – Qualitätskontrolle (Haug / Wetzel) oder vertonen Städte für Zuschauerhorden mit 50 Kopfhörern – Remote X (Kaegi). Von ihren Stücken wurde Shooting Bourbaki 2003 mit dem NRW-Impulse-Preis ausgezeichnet, Deadline (2004), Wallenstein – eine dokumentarische Inszenierung (2006) und Situation Rooms (2014) wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen, Schwarzenbergplatz (2005) für den Österreichischen Theaterpreis Nestroy nominiert. Mnemopark wurde mit dem Jurypreis beim Berliner Festival Politik im freien Theater 2005 ausgezeichnet und Karl Marx: Das Kapital. Erster Band gewann 2007 beim Festival Stücke sowohl den Publikumspreis als auch den Mülheimer Dramatiker Preis 2007. Im November 2007 erhielten Haug / Kaegi / Wetzel einen Sonderpreis des Deutschen Theaterpreises DER FAUST, im April 2008 wurde ihnen in Thessaloniki der Europäische Theaterpreis in der Kategorie Neue Realitäten verliehen. 2008 erhielten sie den Hörspielpreis der Kriegsblinden für Karl Marx: Das Kapital, Erster Band (nominiert war ebenfalls Peymannbeschimpfung). 2011 wurde das Gesamtwerk von Rimini Protokoll mit dem Silbernen Löwen der 41. Theaterbiennale Venedig ausgezeichnet. 2014 erhielten sie den Deutschen Hörspielpreis der ARD und 2015 den Deutschen Hörbuchpreis der ARD. 2015 erhielten Stefan Kaegi und Rimini Protokoll den Grand Prix des Schweizer Theatertreffens. Seit 2003 haben Rimini Protokoll in Berlin ihr Hauptquartier aufgeschlagen und ihr Produktionsbüro im Hebbel am Ufer.

r

raumlabor

Das Berliner Kollektiv raumlabor arbeitet an der Verbindung von Kunst, Architektur, Stadtentwicklung, Performance und Intervention. In interdisziplinären Arbeitsteams setzt die Gruppe seit 1999 Projekte um. Oft arbeitet raumlabor an verlassenen Orten oder solchen, die urbane Spannungsfelder darstellen. Dabei agieren sie nicht allein, sondern beziehen Stadtbewohner aktiv in die Ideenfindung und die Arbeitsprozesse ein. Raumlabor versteht sich nicht als Problemlöser, vielmehr initiiert die Gruppe Prozesse, die den Akteuren die Möglichkeit geben, mit den vorhandenen Umständen umzugehen und die Dynamik und Möglichkeiten der Stadt zu erkennen zu nutzen. Zu den bekanntesten Projekten des Kollektivs gehören das »Küchenmonument« (seit 2006), eine mobile Skulptur zur Schaffung temporärer Gemeinschaften, die schon in Duisburg, Liverpool, Warschau, München, Berlin oder Eindhoven installiert wurde. Im Ruhrgebiet schuf raumlabor 2009 die »Eichbaumoper«, wobei die U-Bahnstation Eichbaum in Mülheim an der Ruhr in ein Opernhaus verwandelt wurde. Die dort aufgeführte Oper wurde von Komponisten und Librettisten gemeinsam mit den Anwohnern vor Ort geschrieben und aufgeführt. 2016 realisiert raumlabor gemeinsam mit Urbane Künste Ruhr die Urban School Ruhr, eine fiktive Bildungseinrichtung, die bestehende partizipative und künstlerische Praxen im urbanen Raum untersucht und eigene entwickelt. Die Arbeit Zur kleinen Weile, die im Rahmen der Emscherkunst 2016 zu sehen ist, hat raumlabor mit Frederica Teti, Stefania Tsigkouni, Maria Garcia, Claire Mothais und Louise Nguyen zusammengearbeitet.

R

Denise Ritter

Studium der Geografie; danach studierte sie in der Meisterklasse von Christina Kubisch audiovisuelle Kunst. Als Klangkünstlerin arbeitet Ritter international im Bereich Soundinstallationen und elektroakustische Musik. Sie lebt im Ruhrgebiet, für ihre Arbeit erhielt sie mehrfach Auszeichnungen und Stipendien. Zur Ritters Arbeiten zählen elektroakustische Soundinstallationen und Klangskulpturen, meist ortsspezifisch und immer mit eigens komponierten elektroakustischen Stücken unter Verwendung von Originalklang- und Geräuschaufnahmen. Für die Industrial-/Musique concrète-Stücke ihrer CD-Veröffentlichung »Schachtanlage Gegenort« benutzte sie Originalaufnahmen aus Kohlebergwerken und Stahlfabriken. 2013 begann sie mit der Arbeit des für jeden offenen weltweiten Projekts »small world wide«. 2016 ist Ritter im Rahmen von ACTOPOLIS – Die Kunst zu handeln aktiv. In Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern und der geheimagentur baut sie in Oberhausen eine neue Stadt.

S

Dirk Schlichting

Von 1988 bis 1995 Studium an der Kunstakademie Münster bei Prof. Joachim Bandau. 1992 schloss er als Meisterschüler ab. Im selben Jahr erhielt er den Förderpreis der Gemeinde Everswinkel sowie 1993 den Förderpreis der Studiogalerie XVI. Schlichting ist Mitglied im Westdeutschen und im Deutschen Künstlerbund. Er lebt und arbeitet in Herne und Dortmund. Schlichting arbeitet vor allem im Bereich Skulptur mit einem Schwerpunkt auf orts- und raumspezifischen Installationen. Zu seinen Arbeiten zählen u.a: 2010 »Expedition, liquid area/waterways«, Städtische Galerie Herne; 2012 »erwartet«, Kunstkirche Bochum und 2015 »stiegenmuseum.ebensee«, Festival der Regionen, Ebensee/ Austria. 2016 ist Schlichting im Rahmen von Actopolis – Die Kunst zu handeln aktiv. In Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern und der geheimagentur baut er in Oberhausen eine neue Stadt.

Roman Signer

Roman Signer ist ein Schweizer Bildhauer, Zeichner, Aktions- und Konzeptkünstler. Er gehört zu den bedeutendsten europäischen Künstlern der Gegenwart. Seit den 70er Jahren arbeitet er an einer Neudefinition der Skulptur: Signer bezieht dabei Parameter wie Zeit, Beschleunigung und Veränderung mit in den skulpturalen Prozess ein und erkundet die Möglichkeiten des Mediums neu. Charakteristisch für das Schaffen des Künstlers ist die Einfachheit der Mittel. An die Stelle klassischer skulpturaler Materialien treten Sand, Wasser, Wind und einfache Gebrauchsgegenstände, die gezielt komplexen Transformationsvorgängen ausgesetzt werden. Signer ist zweifacher Träger des Kulturpreises St. Gallen (1998 und 2004), 2006 erhielt er zudem den Aachener Kunstpreis und 2008 den Ernst Franz Vogelmann-Preis für Skulptur. Mit der Installation »Analyse« in der Nähe des Stadthafens in Recklinghausen bringt Signer den geschundenen Fluss Emscher, der an dieser Stelle noch auf seine große Verwandlung wartet, seinem langersehnten Ziel ein Stück näher.

Stephan Stock

Stock ist Mitbegründer der Gruppe »vorschlag:hammer«, welche bisher sechs Produktionen verwirklicht hat. Mit ihrer ersten Produktion vom Schlachten des gemästeten Lammes und vom Aufrüsten der Aufrechten gewann die Gruppe den Jurypreis des 100 Grad Festivals (HAU Berlin) und den Preis des Körber Studio Junge Regie (Thalia Theater Hamburg). Stock ist ebenfalls Mitbegründer des paradoxen Kollektivs »neue Dringlichkeit«, welches aktiv in Zürich politisches Theater und Aktionen umsetzt, unter anderem als Veranstalter des Festivals »Let`s talk about Money, Honey« in der Gessnerallee Zürich. Im Jahre 2013 gewann er mit der neuen Dringlichkeit bei PREMIO mit dem Projekt neue Männlichkeit zweiten Platz und zusätzlich den Publikumspreis mit yuri500, einer weiteren von ihm mitbegründeten Truppe, und dem Stück Rede an die Menschheit an den Treibstoff Theatertagen Basel. In der Ausgabe des Freischwimmerfestivals 2014 zum Thema »Intim« vertrat er die Gessnerallee Zürich mit dem Solo Theater der Peinlichkeit. Wie in 2014 wird Stock auch im Rahmen des Theaterfestivals Favoriten 2016 für Momente der Belebung, Bewegung und Begegnung sorgen.

Stracke & Seibt

Verena Seibt und Clea Stracke studierten an der Akademie der Bildenden Künste in München und arbeiten seit 2006 als Künstlerinnenduo Stracke & Seibt zusammen. 2009 erhielten sie den Diplompreis der Erwin- und Gisela von Steiner Stiftung. 2012 ein DAAD-Stipendium / Los Angeles und den Bayrischen Kunstförderpreis. 2013 das Ringerbergstipendium der Kunststiftung NRW, sowie den Medienkünstlerinnen Preis des Hartware MedienKunstVerein – HMKV Dortmund. Die Künstlerinnen verstehen ihre künstlerische Arbeit als eine Arbeit an Orten: als eine Forschung, die an realen (städtischen, sozialen, architektonischen oder institutionellen) Räumen ansetzt und die verschütteten Wahrheiten dieser Räume zum Vorschein bringt. In ihren subtilen Manövern operieren Clea Stracke und Verena Seibt immer ganz knapp unter der Oberfläche der Wirklichkeit. Sie schaffen imaginäre Räume, indem sie tastend, staunend, sezierend in echte Räume eindringen und dabei ihre Fundstücke auf dem schmalen Grat zwischen Fiktion und Realität ausbalancieren. Es ist eine archäologische Herangehensweise, die Verschüttetes zum Vorschein bringt, Orte entdeckt, und das im wörtlichen Sinn: dass die Künstlerinnen etwas fortnehmen, das diese Orte bis dahin verhüllt und verborgen hatte. So bringen sie das zur Sprache, was den Dingen sonst unbemerkt anhaftet: etwa, wenn sie die Mangelmaschinen einer ehemaligen Wäscherei durch einige knappe, präzise Veränderungen zum Erinnerungsmal der Frauenemanzipation werden lassen (Weil ich es will, 2008). Das Künstlerinnenduo bespielt mit seinem partizipativen und performativen Projekt ACRA alle sieben Kunstareale der Emscherkunst 2016. Ein rockengefallenes Expeditionsschiff dient ihnen und ihrer neu gegründeten Expeditionsmannschaft als mobile Forschungsstation und Atelier.

SUPERFLEX

Their projects have a strong participatory character, they like to involve their audience and encourage and demand social engagement. Often, they deal with alternative economies and self-organization. For this, the artists like to seize strategies of economic trade, e.g. mechanisms of brand identity and value creation processes, and use those for creating tools. Those tools can be taken on by groups, institutions and people and be modified for their own purposes. “Supergas” (1998) is a project for the production and use of simple, portable bio gas factories, which were installed with the help of African and Danish engineers in Africa and Asia. Furthermore, a lot of other projects have been realized in the last years, like the fairly produced drink “Guarana Power” and the Open Source Beer Vores Øl. Superflex developed a video platform for sharing your own video productions together with the programmer Sean Treadway. Superchannel helps a variety of groups to communicate their ideas: the spectrum of users goes from musicians, political activists and artist to art institutions. The Superchannels first channel went online in May 1999, now it consists of more than 31 channels. Superflex supports the developement of new channels, and, in cooperation with experts, provides knowhow and technical support.

Wanja van Suntum

Van Suntum schloss 2014 den Diplomstudiengang Szenische Künste an der Universität Hildesheim ab. 2008 gründete er das Kunstnetzwerk »cobratheater.cobra«, unter dessen Namen er seitdem diversen künstlerischen Arbeiten nachging. Von 2008 bis 2010 leitete er das Türkisch-Deutsche-Theater Hildesheim. Die Gründung der Gruppe RUHRORTER erfolgte im Jahr 2012, die an verschiedenen Orten im westlichen Ruhrgebiet mit Menschen mit Fluchthintergrund interdisziplinäre Projekte realisiert. 2015 wurde eine Performance mit Klang- und Rauminstallation im ehemaligen Frauengefängnis in Mülheim an der Ruhr erarbeitet. Wie in 2014 wird van Suntum auch im Rahmen des Theaterfestivals Favoriten 2016 wieder Interventionen im Urbanen initiieren.

T

Bernd Trümpler

Er studierte nach seiner Tischlerlehre Architektur und Städtebau an der TU Darmstadt. Zwischen 2002 und 2004 war er angestellter Architekt im Architekturbüro Foster and Partners in London. Die anschließende Selbstständigkeit in Deutschland und England mit zahlreichen realisierten Projekten mündete 2008 in der Gründung des Büros KHBT mit seinem Büropartner Karsten Huneck. Trümpler und Huneck leiteten von 2008 bis 2014 als Associate Professors ein Design-Atelier an der ESA in Paris. Trümpler lebt und arbeitet in München, Berlin und London. Im Dortmunder Hafen präsentiert Trümpler (Berlin/London) zusammen mit Karsten Huneck (Berlin/London) und Oliver Langbein (Dortmund) im Namen von osa die Installation well,come.

V

We Are Visual

Seit 2010 arbeiten Felix Jung und Marc Einsiedel als Künstlerduo we are visual zusammen. Das Duo arbeitet ortsspezifisch, oft entstehen ihre Arbeiten erst aus der Beschäftigung mit einem Ort heraus. Für ihre Interventionen und Installationen zweckentfremden und recyceln sie unterschiedlichste Materialien. Ihre Arbeiten reflektieren aktuelle Themen, zeigen Missstände auf und offenbaren Absurditäten und Kontraste. Jung und Einsiedel arbeiten im öffentlichen Raum, zeigen ihre Arbeiten aber auch in Galerien, Kunsthäusern und Museen. 2016 ist das Künstlerduo im Rahmen von Actopolis – Die Kunst zu handeln aktiv. In Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern und der geheimagentur baut er in Oberhausen eine neue Stadt. Ausstellungen u.a. in: Lendhafen, Ankommen, Klagenfurt, A (2015); chasing max mustermann / Graz, A (2015); Urban Art and Data Visualization, Nairobi - Kenja (2015); Raum links rechts , lost found and stolen, Hamburg (2014); Kampnagel, the art of being many, Hamburg (2014); P/ART Producers Artfair, Hamburg (2014); Sella Hasse Kunstpreis, Hamburg (2014); Kunsthaus Rhenania, F*KK, Köln (2014); P/ART Producers Artfair, Hamburg (2013); uvm.

W

Ai Weiwei

Ai Weiwei ist chinesischer Bildhauer, Konzept- und Installationskünstler, Filmemacher und Buchautor. Als Sohn eines Dichters und Malers kam Ai Weiwei schon früh mit Kunst in Berührung. Heute gehört er zu den international bekanntesten Vertretern chinesischer Kunst. Zentrale Themen in seinen Werken sind das Aufeinanderprallen zwischen der chinesischen und der westlichen Kultur, Werte- und Traditionsverlust sowie die künstlerische Freiheit an sich, staatliche Zensur und der Umgang mit Menschenrechten. 2011 wurde Ai Weiwei in Peking durch chinesische Behörden inhaftiert und 81 Tage festgehalten. Während der Haft wurde er in die Berliner Akademie der Künste aufgenommen und erhielt eine Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste. Nach seiner Entlassung war es Ai Weiwei mehrere Jahre nicht möglich, aus China auszureisen. 2015 erhielt der Künstler seinen Reisepass zurück. Neben einer Gastprofessur an der Berliner Akademie der Künste sowie der Universität der Künste (2011) wurde Ai Weiwei mit dem Kasseler Bürgerpreis Glas der Vernunft (2010) ausgezeichnet. Zudem erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Ghent sowie die Skowhegan Medal (2011) und den Chinese Contemporary Art Award (2008). Ai Weiweis Arbeiten wurden international in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt, u. a. im Kunsthaus Bregenz (2011), the Victoria & Albert Museum London (2011), Asia Society Museum New York (2011); Tate Modern, London (2010), Haus der Kunst München (2009). Weiterhin nahm Ai Weiwei an der documenta 12 (2007) und der Biennale in São Paulo (2010) teil. Zuletzt widmete ihm 2015 die Londoner Royal Academy of Arts eine große Retrospektive. Im Rahmen der Emscherkunst 2016 wird Ai Weiweis Installation »Aus der Aufklärung«, die bereits 2013 aufgestellt wurde, erneut gezeigt.

Silke Wagner

Silke Wagner hat 1995 bis 2001 an der renommierten Städel-Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt studiert. In den Jahren 2007 bis 2009 hatte sie eine Gastprofessur an der Züricher Hochschule für Gestaltung inne. Wagner arbeitet konzeptionell zu sozialen, politischen oder ökologischen Themen. Oft in Kooperation mit sozialen Randgruppen vor Ort initiiert sie Aktionen und Irritationen sowie Kommunikations- und Veränderungsprozesse. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf den gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Aspekten des öffentlichen Raums sowie dessen Wahrnehmung und Vereinnahmung durch verschiedene soziale Gruppen und Milieus. Unter dem Titel »Glückauf. Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet« hat Wagner an der Außenhülle eines Faulturm ein Wandmosaik entworfen, das wichtige historische Szenen aus den vergangenen 120 Jahren zeigt.

Susanne Kudielka / Kaspar Wimberley

Kudielka/ Wimberley sind als Künstler, Produzenten, Kuratoren und Wissensarbeiter mit Schwerpunkt ortsspezifische und interdisziplinäre Kunst im öffentlichen Raum tätig. Sie leben und arbeiten in Stuttgart und auf Jersey. Die Projekte und Interventionen von Kudielka / Wimberley lassen sich als Einladung zum Sammeln neuer Erfahrungen und zur Teilnahme am Außergewöhnlichen, als Katalysatoren für Dialog und Austausch beschreiben. Das Bemühen, Menschen für bestehende gesellschaftliche oder kulturelle Bedingungen zu sensibilisieren und die Ordnung des Moments zu bestreiten und zu hinterfragen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit des Künstlerpaars. Kudielka/ Wimberley haben Projekte für Museen, Kunstfestivals und -Institutionen, Hochschulen, NGOs, Schulen und freie Auftraggeber realisiert und dabei mit Hundebesitzern, Bäckern, Vermietern, Radfahrern, Gärtnern, Fischern, Obdachlosen, Zauberkünstlern, Teenagern, Ladeninhabern, Asylsuchenden und einem Chor gearbeitet. 2016 sind Kudielka/ Wimberley im Rahmen von Actopolis – Die Kunst zu handeln aktiv. In Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern und der geheimagentur bauen sie in Oberhausen eine neue Stadt.

Z

Tobias Zielony

Der Fotograf und Filmer Tobias Zielony studierte von 1998 bis 2001 Dokumentarfotografie an der University of Wales. 2001 schloss er dort sein Studium ab und wurde Meisterschüler bei Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Mit seinem Buchprojekt Behind the Block, für das er Jugendliche in vier europäischen Städten beobachtete, gewann er den Preis des Instituts für Buchkunst Leipzig in 2002. Nach einer Gastprofessur an der Folkwang Universität der Künste in Essen hat er seit 2009 die Professur für Künstlerische Fotografie an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) inne. Tobias Zielony ist bekannt für seine fotografischen Dokumentationen jugendlicher Randgruppen. Dabei interessiert ihn vor allem die Art, wie sie sich selbst inszenieren, mit Kleidung, Gesten und Posen. Es geht ihm darum, »die beiläufige Form des Sozialen« einzufangen. Dafür fährt er in die Vorstädte von der Öffentlichkeit eher wenig beachteten Orte: Die Banlieue von Marseille, das polnische Zgora oder die Plattenbausiedlungen von Halle-Neustadt. Er dokumentiert die Aufladung und die Belebung eines Ortes durch Menschen und die damit einhergehende Verschmelzung von Ort und Charakter. An der KHM arbeitet er darüber hinaus interdisziplinär auch in den Bereichen Film und Video und verbindet somit die unterschiedlichen Medien miteinander. 2011 erhielt Tobias Zielony den Karl-Ströher-Preis. Seine jüngsten Ausstellungen hatte er 2015 im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig, 2013 in der Berlinischen Galerie und 2011 im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt/Main. Für die Emscherkunst hat Tobias Zielony eine filmische Arbeit entwickelt, die sich mit der tamilischen Gemeinschaft in Dortmund, der größten in ganz Europa, auseinandersetzt.