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7/DEVELOPING THE FIRST WORLD

Ghana Thinktank

NUR VOM 09/10—11/10
JEWEILS 16—23 UHR
MUSEUMSPLATZ(OSTHAUS MUSEUM)
eintritt frei

Bereits im Juli hatten Hagener Bürgerinnen und Bürger Gelegenheit, ihre Probleme in oder mit Hagen zu formulieren und der Künstlergruppe auf Postkarten mitzuteilen. Diese kümmert sich nämlich um »Entwicklungshilfe für die Erste Welt – Developing the First World « – dergestalt, dass extra eingerichtete Thinktanks in der sogenannten Zweiten und Dritten Welt Lösungsvorschläge für Probleme der Ersten Welt erarbeiten. Man darf sehr gespannt sein, was dabei herausgekommen ist. Die Ergebnisse werden während der Urban Lights Ruhr vorgestellt.

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Die Mission von Ghana Thinktank besteht darin, das vorherrschende Verständnis von ‚Entwicklungshilfe’ zu hinterfragen und umzukehren. Dafür wurden in sogenannten Drittweltländern wie Ghana, Eritrea, Sudan oder dem Schwellenland Mexiko Thinktanks geschaffen, getragen von Menschen, die sich bereit erklärten, gemeinschaftlich über Probleme in der ersten Welt zu beraten. Diese Brainstorming-Sessions werden gefilmt und den Problemgebern aus den Industrieländern im Rahmen von Ausstellungen gezeigt.

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Die ersten Denkfabriken wurden 2006 von den Künstlern Christopher Robbins, John Ewing und Matey Odonkor gegründet. Alle drei hatten vorher für internationale Hilfsorganisationen gearbeitet und dabei erfahren, wie kontraproduktiv es sich auswirkt, wenn in einem soziokulturell völlig anderen Land ‚Lösungen’ für sogenannte Entwicklungsländer erfunden werden. In ihren Projekten drehen sie den Spieß um und machen für die Industrieländer erlebbar, wie es sich anfühlt, solche ‚Verbesserungsmethoden’ übergestülpt zu bekommen.

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Allerdings ergibt dieser Austausch nicht nur unpassende, nicht implementierbare Vorschläge, ganz im Gegenteil. Viele Hagener hatten im Vorfeld von Urban Lights Ruhr auf über hundert Postkarten Problemstellungen eingereicht. Diese reichen von Beschwerden über den Straßenmüll bis hin zum beklagenswertem Leerstand von Wohngebäuden oder dem fehlenden Interesse für Kultur.

Die ersten Antworten kamen aus den Thinktanks aus Ghaza und Mexiko. Auf die Frage, was man gegen die Rücksichtslosigkeit von Autofahrern gegenüber Radlern tun kann, kam der Vorschlag, einen Radfahrer-Flashmob zu organisieren und als überwältigende Mehrheit den Verkehr in der Stadt zu übernehmen. Andere Klagen bezogen sich darauf, dass es in Hagen zu wenig Spielplätze gäbe. Hier schlug die Ghana-Denkfabrik vor, zusammen mit allen Kindern im Rathaus vorstellig zu werden, dabei aber das Wort den Kindern zu überlassen. Diese könnten für sich selbst sprechen, was viel mehr Eindruck machen würde als die Fürsprache der Eltern.

Die auf dem Hagener Museumsplatz vorgeführten Brainstorming-Sessions zeigen die Menschen, die sich mit den Problemen Hagens auseinandergesetzt haben, und auch, dass sie unsere Probleme ernst nehmen, obwohl sie auf den ersten Blick mit weitaus größeren Schwierigkeiten zu tun haben. Ghana Thinktank will mit seinen Projekten auch dabei eine Brücke schlagen: Jedes Problem ist ein großes, weil es immer individuell erlebt wird, ganz gleich als wie schwerwiegend ein Dritter es einstuft.

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Zur Eröffnung von Urban Lights Ruhr in Hagen wurde eine App gelauncht, die es ermöglicht, Probleme in der Stadt direkt an die Denkfabriken zu übermitteln. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass an manchen Orten kein stabiler Internetzugang besteht. Ein bisschen Geduld bis zur Antwort sollte also aufgebracht werden. Manchmal sind solche Antworten auch weniger Lösungsvorschläge als vielmehr Anregungen, die Situation einmal anders zu betrachten oder sogar das Gute darin zu erkennen. Wer ohne Smartphone unterwegs ist, kann seine Fragen direkt über den Bauch der Ziege auf dem Museumsplatz einreichen.