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6/ VIDEO PAINTING

BLAKE SHAW / BRUNO LEVY ( SWEATSHOPPE )

NUR VOM 09 / 10—11 / 10
JEWEILS 19—23 UHR
FESTIVALZENTRUM + WILHELMSPLATZ
EINTRITT FREI

Videopainting ist eine changierende Multimedia-Collage, bei der Portraitfotos auf Hausfassaden im Stadtraum ‚gemalt’ werden. Dabei verschmelzen Abbildungen von Menschen verschiedener Herkunft, auch Hagener Gesichter, mit den Porträts von Bewohnern der Connecting Cities-Partnerstadt Jena (Licht- und Wissenschaftsfestival City Visions Jena). Ein neuer Ort der Begegnung unterschiedlicher Kulturen entsteht im öffentlichen Raum – eine Reflexion über Echtzeitkommunikation und die Grenzen der Privatsphäre.

V

»Videopainting« ist eine fantastische Multimedia-Anwendung, mit der Hauswände immer wieder neu „bemalt“ werden können. Das Instrument ist eine Farbrolle an einer Teleskopstange, natürlich kein normales Malerequipment: Der Eimer Farbe – in dem Fall wäre es ein Eimer Bilder – erübrigt sich: Am Griff der Stange befindet sich ein Knopf. Es genügt, diesen gedrückt zu halten, damit immer neue Foto- und Videoverläufe über die Rolle an die Wand gelangen. Das können ganz dekorative, zeichnerische Elemente sein, aber auch geloopte Filmsequenzen. Über die wird im Fluss wieder drübergemalt; so entspringen zwischen den Lippen des lächelnden Unbekannten plötzlich comicartige Elemente oder Gegenstände kommen aus den Ohren. Man möchte den Griff gar nicht mehr aus der Hand geben, so spannend ist die Malarbeit, weil das, was aus der Rolle kommt, immer wieder überraschend wechselt.

Wie sehr Bruno Levy live dabei die Hand im Spiel hat? Schwer zu sagen. Levy ist der zweite Mann im Bunde und im Hintergrund mit dem Laptop zugange. Er und Blake Shaw sind durch ihre Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Video, öffentlichem Raum und Telekommunikationstechnologie unter dem Pseudonym »Sweatshoppe« bekannt.

E

Es ist die zum Lokal „Marktbrunnen“ weisende Seitenwand des Cafés „Europa“, auf die am ersten Wochenende des Festivalzeitraums gemalt wird. Eine charmante Ecke mit Geschäften und schönen Altbauten – der Wilhelmsplatz ist das Herz von Wehringhausen. Jetzt will jeder mal die Rolle schwingen: der Vater mit seinen beiden Töchtern, das Rentnerehepaar, drei schüchterne Jungs, die nicht so richtig Deutsch verstehen, zwei Freundinnen aus dem Café. Hier im Dunkeln vor der leuchtend bunten Wand werden die menschlichen und kulturellen Unterschiede, die dem Stadtteil Probleme bereiten, abgeschwächt. An diesem Wochenende teilen alle, die vorbeikommen, die Begeisterung für das magische Malerwerkzeug, rufen „Oh!“ und „Mal’ doch mal da!“, freuen sich über jeden, der mitmacht.

Am Eröffnungsfreitag kamen auch die Porträts von Bewohnern der Connecting-Cities-Partnerstadt Jena mit ins Spiel. Dort fand nämlich zeitgleich das Licht- und Wissenschaftsfestival City Visions Jena statt. Dessen Teilnehmer und die in Hagen begegneten sich in beiden Städten an Hausfassaden. Auch dabei entstand ein ganz neuer Ort der Begegnung im öffentlichen Raum – eine Reflexion über Echtzeitkommunikation, aber auch über die gewandelten Voraussetzungen unserer Privatsphäre.

C

Connecting Cities ist 2012 als ein von der EU mit elf verschiedenen Partnern gefördertes Projekt entstanden, initiiert vom Public Art Lab aus Berlin. Den Ausgangspunkt bildet die Idee, Städte und ihre Bewohner über öffentliche Screens und Projektionen miteinander zu verbinden. Mit diesem Fokus werden jedes Jahr zwölf Arbeiten produziert, jedes Jahr zu einem anderen Thema. Gegenstand in diesem Jahr ist das Thema „Unsichtbare Städte – Unsichtbares im öffentlichen Raum sichtbar machen“. Auch das Projekt von Ghana Thinktank gehört zu den Arbeiten in diesem Kontext.