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5/ GENIUS LOCI
ANNA RISPOLI

FR—SO
TÄGLICH, 24 STUNDEN
FUSSGÄNGERUNTERFÜHRUNG
AM BODELSCHWINGHPLATZ
Eintritt frei

Genius Loci ist eine partizipative Installation, die gemeinsam mit den Bewohnern aus dem Stadtteil Wehringhausen umgesetzt wurde. Alle Hagener Bewohner waren eingeladen, ihre ungenutzten privaten Lampen zu spenden, um aus ihnen eine große öffentliche Lichtinszenierung zu formen. Die anonyme Passage vom Bodelschwingplatz nach Wehringhausen verwandelt sich so für den Festivalzeitraum vom Angstraum zum Lichtraum, der viele persönliche Momente aus dem Leben der Menschen vor Ort erzählt.

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Der Stadtteil Wehringhausen kämpft mit Problemen, die durch Verkehrs- und Lärmbelastung, hohen Leerstand und eine disparate Bewohnerstruktur entstehen. Besonders betroffen ist der Bodelschwinghplatz und die zulaufende Unterführung, ein beliebter Aufenthaltsort für Drogenabhängige, die bei einem Arzt am Eck Methadon beziehen. Der über und über mit Graffiti Tags versehene „Methadon-Tunnel“ führt unter den Bahngleisen hindurch zum Wehringhausener Wilhelmsplatz. Hier befinden sich alle Geschäfte des täglichen Bedarfs. Trotzdem gehen einige Anwohner nicht mehr durch den Tunnel.

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Anna Rispoli versuchte in vielen Gesprächen dahinter zu kommen, was diese Unterführung so angsteinflößend macht. Einen besonderen Ausschlag gab die Beleuchtung des Tunnels. Daraufhin lud sie die Nachbarn ein, den Durchgang neu zu beleuchten – mit nicht mehr benötigten Lampen aus den eigenen vier Wänden. Dutzende kamen zusammen: Kronleuchter, schmiedeeiserne Wandlampen, chinesische Papierleuchten, Lichterketten ... Der lange, mit einem zentralen Gewölbe konstruierte Tunnel bietet für jede eine passende Aufhängung. Seit alle installiert sind, zeigt sich: Die der privaten Sphäre entstammenden Lampen lassen die Unterführung viel wohnlicher und in weichem Glanz erscheinen.

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Das soll gefeiert werden: Am Freitagabend, dem 23.10. um 18 Uhr, werden hier DJ Dee aka Kralle Krabofski zusammen mit Ole Sebastian Diolosa und Oliver Burgard Falck eigens für das Projekt komponierte E-Musik spielen. Der darauffolgende Samstag ist Kinotag. Gezeigt wird ab 18 Uhr „Shaun, das Schaf“, „I really would like to come back home“ und „The Kid“ mit Charlie Chaplin.

„I really would like to come back home“ ist die Dokumentation einer Lichtperformance, die Anna Rispoli 2010 mit den 500 Studenten eines anonymen Wohnheims in Riga aufführte. Jeder einzelne schaltete nach einer vorher abgesprochenen, musikalisch untermalten Choreographie das Licht in seinem Zimmer ein und aus. 15 Minuten lang verwandelte sich das graue Hochhaus für die Nachbarn, die draußen zusahen, in etwas Wunderschönes. Für die Bewohner entstand ein Zuhause- und ein Wir-Gefühl, das anhielt.

Die Komplexität des Zusammenlebens – Anna Rispoli verwendet viel Zeit darauf, in Kontakt mit den Menschen zu kommen, die an den Orten wohnen, für die sie eine künstlerische Intervention kreieren soll. Immer liegt ihr Fokus auf den Bewohnern, darauf, gemeinsam einen Ausnahme-Moment zu erschaffen, der Zusammengehörigkeit stiftet und das Gefühl: Wir können ja doch miteinander. Oft kommen dabei sehr bewegende Aufführungen zustande, die, so flüchtig sie sind, unvergesslich bleiben.

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Zur Finissage der »Genius Loci«-Installation am Sonntag, dem 25. Oktober, wird ein kleines Fest veranstaltet, bei dem die Lampen gegen eine Tauschdienstleistung versteigert werden. Die ehemaligen Besitzer werden bei dieser Gelegenheit erzählen, was die Lampen für sie bedeutet haben, in welchen Räumen sie Licht spendeten, wo sie her stammen. Live Musik und zu essen und zu trinken runden diesen Abend ab, bei dem man ins Gespräch kommen und sich kennenlernen kann.

  • Look + Listen - Führung und Erstaufführung
    • eigens komponierte Musik von und mit DJ Dee aka Krallekrabowski
  • Open Air Kino für Alle
    • Samstag 24.10. 18-23 Uhr
  • Versteigerung der Lampen-Kunstobjekte
    • Sonntag 25.10. 15-19 Uhr