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11/BALKON

Tatzu Nishi

FR—SO
JEWEILS 16—23 UHR
BERGISCHER RING 57
eintritt frei

Der japanische Künstler Taturo Atzu (aka Tatzu Nishi)ist für seine dramatischen Inszenierungen bekannt, bei denen er Kirchturmspitzen, Brunnen oder Monumente begehbar macht, die so auf gänzlich neue Weise erlebbar werden. In Hagen rückt er mit seiner Arbeit »Balkon« die Kugellampen eines Sternstrahlers aus den 1960er-Jahren in den Fokus: Das Publikum kann während des Festivalzeitraums über einen Gerüstturm bis nach oben steigen und dadurch die funktionale, oft übersehene Ästhetik des Bauwerks aus allernächster Nähe sehen!

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Die Installationen des japanischen Künstlers Taturo Atzu (alias Tatzu Nishi alias Tazro Nishino alias Tatsurou Bashi) sind stets „site specific“ und setzen öffentliches Inventar wie Straßenlaternen, Denkmäler oder parkende Autos in einen privaten Kontext – ganz ohne sie von der Stelle zu bewegen. Auch in Hagen lässt er eine völlig neue Sicht auf eine Straßenlaterne entstehen, indem er fast auf der Höhe ihrer Lampen ein Wohnzimmer drum herum errichtet, welches über einen Gerüstturm erreichbar ist. Besucher erhalten dadurch eine Perspektive, die sonst nur den Stadttauben vorbehalten bleibt – oder dem städtischen Angestellten, der die defekten Birnen ersetzt, was jetzt besonders gut machbar wäre.

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Der schöne Sternstrahler stammt aus den 1960er-Jahren und besteht aus sechs gelblich schimmernden Kugellampen, die in acht Meter Höhe sternförmig um den Mast angeordnet sind. Sicherlich haben bisher nur die wenigsten Hagener diesen schmucken Lampenkopf aus solcher Nähe in Augenschein nehmen können. Vielleicht fällt er auch niemandem mehr auf, der um die Kurve kommt. Hier oben bekommt diese Straßenlaterne, die an einer Hauptverkehrsstraße in Hagen steht – der Bergische Ring macht gut ein Drittel des Innenstadtrings aus –, eine neue Funktion, wird zur pompösen Wohnzimmerlampe: Die sechs Glashalbkugeln haben knapp einen Meter Durchmesser. Wir können es uns in den bereitgestellten Polstermöbeln gemütlich machen und im Schein des Sternstrahlers im Hagener Heimatkalender von 1977 blättern. Ein idealer Ort, um auch darüber zu reflektieren, wie öffentliche und private Sphäre in Städten ineinandergreifen und wo ihre Grenzen liegen. Fehlt nur noch das lodernde Kaminfeuer ...

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Als Taturo Atzu 1987 nach Deutschland kam, um an der Kunstakademie Münster zu studieren, begeisterten ihn die vielen historischen Gebäude und Denkmäler in den Städten. Ihm schien, dass ihnen ein Großteil der Bevölkerung kaum noch Beachtung schenkte. Seitdem macht Atzu solche städtischen Bauwerke zum Ausgangspunkt seiner künstlerischen Interventionen. Dabei hat er monumentale Statuen manchmal so geschickt umbaut, dass nur noch der Kopf des meterhohen Reiters herausschaute – als Zierde auf dem Kaffeetisch. Einmal auf Augenhöhe mit einem ansonsten immer von oben herabschauenden Feldherrn: Solche Gelegenheiten hat Atzu mittlerweile in der ganzen Welt temporär erschaffen, sogar in Form von Hotels und voll ausgestatteten Apartments, um die Möglichkeit zu bieten, so einen Moment noch ein bisschen länger auszukosten.